Klassiker: Wendy & Bonnie – Genesis

Wendy und Bonnie hatten Pech. Ihr geniales Album “Genesis” ging unter. Was war geschehen?
1968 nahmen die Flower-Schwestern zu hause rauschende Demos auf. Mädchenmusik mit folkigen Ansätzen und tollen Stimmen. Wie viele Teenies zu der Zeit träumten sie sich eine Starkarriere zusammen, die aber nichts mit Casting-Teenhanseln zu tun hatte, die später durch die Charts tingelten und wie Eintagsfliegen an den Studioglasscheiben zerschellten. Nein, die Mädchen wollten Musik machen. Die Flower – Girls hatten Potenzial. Ihre erste Band Crystal Fountain spielte typischen Psychedelic-Sound. Also unwichtig und für Garagenprober noch nicht mal knallig genug. Nur zu hause im stillen Kämmerlein wuchsen ihre Eigenkompositionen zu großartigen, schwelgerischen Knallern. Und das mit 13 und 17. Fantastisch! Natürlich alles schön akustisch und neben der Spur aufgenommen. Cal Tjader hörte die Demos und bat die Mädchen zu einer Aufnahmesession in die Skyestudios.
Das Skyelabel, mit den Teilhabern Gary McFarland, Tjader und Gabor Szabo war angetan von den beiden Teenagern. Um sie herum baute McFarland als Arrangeur eine komplette Studioband. Jim Keltner an den Drums, Cal Tjader an den Percussions und Larry Carlton an der Gitarre. Die Jungs gaben den Songs der Schwestern ein Softrockgewand, das immer mal wieder die Copacabana streift und durch das wilde Dickicht eines Zauberwaldes luschert, um der Morgensonne ein kindliches Grinsen entgegen zu halten. Die Stimmen von Wendy und Bonnie harmonieren prächtig und schwelgen in jugendlicher Leichtigkeit. Diese Unbekümmertheit gepaart mit tollen Arrangements macht “Genesis” zum Klassiker.

Die psychedelischen Zwischenparts, die schon mal über das Ziel hinausschießen, sind fuchsig dargeboten. Wendy und Bonnie verlieren sich in ihren Stimmen. Sie scheinen fast zu fliegen. Mit Blumen im Haar berühren sie kurz ein Bassriff, geben der Melodik die gewisse Dramatik, die den großen Kitsch verhindert. Manchmal klingt das nach den Carpenters, mal nach den Beach Boys ohne Surfbrett oder nach den Beatles ohne Pilzkopf. Alles ist so luftig, dass schon mal ihre Kleidchen hochschlagen und man mehr Bein sieht, doch sexy soll das nicht wirken. Eher unbedarft und zufällig.
Der Sixties-Einschlag bekommt in den groovigen Drumpassagen genug Futter, um auch schon mal auf der Tanzfläche zu fluppen. Schön lieblich, wie ein Cocktail nach dem Zähneputzen. Man verzieht kurz das Gesicht, ist aber sofort drauf. Die Songs werden komplex umgesetzt und bekommen wunderbare Orgeln an die Hand, die wie Weichspüler alles duftend machen.
Und warum ist “Genesis” dann nur untergegangen? Skye machte pleite, kurz nach den Aufnahmen. Es gab nur einige Promotionexemplare, die nach der Pleite natürlich in den Keller gefrachtet wurden. Keine Käufer. Keine Hörer. Das kurz vor einer zweiten Aufnahme Produzent McFarland ermordet wurde, hilft natürlich gehörig bei der Legendenbildung. Die Schwestern nahmen nie wieder gemeinsam Musik auf. Klingt alles ein bisschen nach Not Available. Erst Jahre später entdeckten einige Nerds den Wert dieser tollen Aufnahme. Da müssen wohl Keller ausgeräumt worden sein. Viva La Trödelmarkt! Wiederveröffentlichungen machten die Flower-Schwestern dann bekannt. Bekannt ist vielleicht übertrieben, aber dennoch. Laetitia Sadier covert auf ihrem Solodebüt den Heuler “By The Sea”. Eine Perle. Die Sonne schiebt sich hinter deinen Augapfel. Du glühst…

Erschien als Reissue 2001 bei Sundazed Records

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