Schwefelgelb – Das Ende vom Kreis

Schwefelgelb schauen in den Rückspiegel. Rave hebt die Arme und schmeißt ein paar Pillen ein. Die Dunkelheit trägt Sonnenbrille. Electro-Bleeps bumsen durch die Clubs. Ein Slogan wird zum Tagesgeschäft und die Wiederholung macht dir schnell klar, dass hier die Faust in den Himmel gestreckt wird. Mit Lederhandschuh.
Schwefelgelb bewegen sich im Rhythmus, stampfen mit den Stiefeln auf und haben den Holzhammer immer auf den Rücken geschnallt. Es wird kurz ausgeholt und gnadenlos zugeschlagen. Über unsere Köpfe fliegt er hinweg. Wir müssen uns gar nicht ducken. Schwefelgelb wollen uns gar nicht treffen. Nur so rumfuchteln.
Einsamkeit und Desillusionierung sind die Themen. Da kannst du schon mal anfangen, Sterne zu zählen. Fertig wirst du nie. Das Ende vom Kreis ist das Ende vom Lied. Synthie-Punk oder NDW oder New Wave oder Dark Wave oder DAF oder…
Sid und Eddy sind Abarbeiter. Sie versuchen die Wurzeln deutscher elektronischer Musik auszugraben. Mit der Nebelmaschine geht es auf die Suche. Immer wenn ein Versatzstück erkannt wird, wird auf den Knopf gedrückt und alles mit einem Grauschleier bedeckt. Die Beats bleiben stumpf, die Tänzer bewegen sich, das Latex gibt eine angenehme Körpertemperatur. Das Raumschiff fliegt durch den Club. EBM wird neu buchstabiert, doch die Spinnweben der Vorreiter röten Schwefelgelbs Haut. Der eigene Müll ist so hochgestapelt, dass du von diesem Berg aus die Stadt sehen kannst mit all ihren grauen Mäusen. Da muss man halt bunte Klamotten anziehen.

Melodien liegen Schwefelgelb am Herzen. Mit kühler Arroganz wird schon mal klassisches Liedgut in die Clubatmosphäre gedrückt. “So lange Du atmest, weiß ich, dass es noch geht.” Mit stoischer Konsequenz begibt sich Eddy an den Rand der Bühne und haucht und faucht. Paartanz ist hier nicht angesagt. Jeder räkelt sich im eigenen Saft und ist so alleine. Geredet wird in Chatrooms und onaniert über Skype. Eddys Sprechgesang bleibt monoton auf der Müllkippe der Stadt hängen und versucht erst gar nicht da runter zu kommen. Es wird gesprungen und gehüpft, doch der Müll will nicht weniger werden. “Ganz egal, was ich mach.”
Manchmal klingen die Songs sehr ähnlich. Das ist wohl die größte Schwäche des Albums. Zu oft wird die Stimme angepitcht und durch die Stotterbox gezogen und so werden die ganz guten Slogans verulkt. Da hätte eine klare, harte Stimme mehr Aussagekraft gehabt. ” Zu viel von allem, zu viel, zu viel. Davon hab ich genug.” Die Songs verbrennen zu schnell auf der Autobahn. All die Raserei macht rasend. Schwefelgelb geben ihren Senf dazu, doch ob der scharf oder süß ist, kann man nicht rausschmecken. Da waren Milch eindeutiger und nicht so verkopft.
Erschienen bei Tapete Records

Schwefelgelb – Alle Sterne from Schwefelgelb on Vimeo.

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