Sam Prekop – Old Punch Card

Das Tonale erscheint zersplittert und zerschnitten. Die Pulverisierung des Harmonischen vollzieht sich in großer Schale. Darüber, darunter und daneben erfolgt die Spreizung des Tons in seine ungericheten Bestandteile. Die Spaltung geschliffener Blasinstrumente ruft beunruhigende Beben hervor. Bosonen des Bordun umschwirren uns, tropfen plötzlich ab und kollidieren dann und wann.
Die Spaltung aller Oktaven in Granulate und deren rhythmischen Auffächerungen. Die Zerschmirgelung der tonalen Ausrichtung auf Ausgewogenheit. Das Aufrauen von Flächen. Unruhe und Ungleichheit als starke kompositorische Elemente. Aus Vokabeln werden wieder Vokale. Konsonanten gehen ächzend zu Boden. Zunächst. Im weiteren Verlauf des Albums jedoch baut sich immer mehr Struktur auf. Erst rhythmisch, dann tonal, schließlich beides immer noch brüchig in einander greifend.
Sam Prekop ist den meisten als Sänger und Komponist der Gruppe The Sea and Cake bekannt. Ebenso seine vielfältigen Tätigkeiten, die neben popsong-verwandten Soloalben mit weltmusikalischen Gitarreneinschlag auch Fotografie und Malerei umfassen. Um so mehr wird sein erstes Soloalbum seit 2005 überraschen. „Old Punch Card“ ist ein durch und durch elektronisches Album geworden, dass auf Liedstrukturen verzichtet und sich teilweise wie jüngere Arbeiten von Mika Vainio und Uwe Schmidt, darunter liegenden Klangeigenschaften als Ausgangsmaterial für seine Stücke widmet.
Zwischen den Räumen, die Prekop Klängen mit hohen Rauschanteilen und anderen diffusen Obertonanteilen widmet, schiebt er Passagen mit simplen tonalen synthetischen Figuren ein. Ruhepole und Kontraste. Mal als Arpeggios, mal als Pads, finden sich einfache Grundwellenklänge als tragfähiges Skelett. Diese Synthesen klingen dennoch nie banal, obwohl sie aus einem Intrumetendemo herausgeschitten sein könnten. Als Standard-Klänge zeigen sie deshalb auch, dass die Xte-Samplebibliothek und der absyndhafte Eskapismus in Klanggestaltung allzuoft in Sackgassen führt. Sam Prekop jedoch verliert nie den Blick auf das Wesentliche, was am Ende sogar wieder eine Gitarre zulässt, in homöopathischen Dosen. Mein Album des Monats.
„Old Punch Card“  ist im September bei Thrill Jockey erschienen.

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