Laetitia Sadier – The Trip

Wie eine Brise huscht Laetitia Sadier über die Hügel. In den Gräsern bleibt der Sand haften. Die Sonne geht so langsam unter. Es wird kalt. Im Gepäck hat sie natürlich ihre Stimme und die alte Stereolab-Rhythmik und Akkordverliebtheit. Ihre Stimme liegt in den Dünen und lässt alles über sich ergehen. Was kann jetzt noch Schlimmes passieren? Der Tod Sadiers Schwester färbt die Songs dunkel. Wehmut und Trauer bestäuben die Akkorde und tragen viele der neuen Songs in die Dunkelheit.
Sadier versucht den Songs, die gewisse Portion des verloren gegangenen Chansons zu geben mit Mitteln des Pop und der Clubästhetik. Es gelingt ihr nicht immer. Ihre nebelige Version des Les Rita Mitsouko-Songs “Un Soria, Un Chien” überzeugt. Knackig und kurzweilig. Die Orgellinien pflastern die Straßen nicht neu, beschichten aber ramponierte Stellen. Auch die angerissenen Gitarren sind immer zugegen, so als wären Stereolab auch in den Dünen. Es ist immer schwer, sich ganz aus dem Schatten der Hauptband zu lösen. Laetitia versucht es erst gar nicht. Sie ist noch nicht bereit etwas ganz Neues zu erschaffen. Sie schreibt halt so ihre Songs, warum sollte sie jetzt auch Metal machen?
Laetitia Sadier
Schwere Akkordwechsel treffen auf Sadiers suchende Stimme. Jeder Akkord wird mitgesungen. Jede Verschiebung mitgehaucht. Tempowechsel sprengen das oft starre Gerüst. Der Groove bleibt in der Bucht der Trauer desöfteren unkompliziert und hüftsteif. Jazzy Wendungen treffen auf angerippte Oktaven. Die Coverversion von “Summertime” geht ganz tief in den Keller. Laetitia bleibt fast sonnenfrei. Nach kurzen zwei Minuten ist der Klassiker geschafft. Und das Album schließt mit einem Gitarrenpicking und Regen. Der Sommer soll mal kacken gehen. Die dritte Coverversion ist vielleicht der geglückteste Song des Albums. “By The Sea”, von Wendy & Bonnie im Original, holt alle Stärken Sadiers aus dem Hut und ist das poppigste Stück der Platte. Wunderbar.
“The Trip” ist ein verstörendes Album, das wirklich vermag runterzuziehen. Obwohl einige Songs Drive besitzen, hat Sadier nur im Sinn, den Songs die dunklen Pullover überzustreifen. Die Interludes verbinden die Albumteile und machen eine Schleife drum. Eine gewisse Strenge liegt über den Stücken und macht den Zugang nicht einfach. Die vielen Mollakkorde sitzen nicht immer am richtigen Fleck und bringen nervöse Menschen, wie ich es einer bin, schon mal aus der Ruhe. “The Trip” ist kein Stereolab-Album. Will es auch gar nicht sein. Natürlich gibt es Schnittstellen, doch Sadier kann auch ohne den großen Bandnamen leben. “The Trip” ist aber insgesamt zu arty. Zu oft wird den Songs die Luft rausgelassen. Nach 35 Minuten ist Schluss. Harte Kost mit drei tollen Coverversionen. Mehr bleibt am Ende nicht. Mal sehen, was Stereolab nun nachlegen…
Hören kannst du “The Trip” hier.
Erschienen bei Drag City

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