Breathe Owl Breathe – Magic Central

Die Mädchen nähen wieder. Sie haben es satt, bei den großen Billigketten ihre Klamotten zu kaufen. Die haben jetzt zwar auch diesen Indie-Rockgirl-Kram, doch sie wollen ja nicht aussehen wie aus dem Katalog. Das Geld wird in eine Maschine gesteckt und Schnittmuster im Internet bestellt. Indiepop hören sie, wenn die Nadel durch den Stoff saust. Breathe Owl Breathe zum Beispiel. Die klingen so als hätten sie einen Stoffladen. In dem gibt es nur Stoffe, die ganz flauschig sind. Braun müssen die sein, mit vielen kleinen schwarzen Pilzen drauf. Oder Rehe. Bambi geht immer. Nicht dieses Walt Disney-Ding, sondern ein fast Reales. Einhörner sind auch wieder im Kommen. Eulen auch. Im Kopf sind wir noch Fünfzehn! Was Jungs alles ertragen müssen.
Die Freunde sitzen dann nämlich neben den Mädchen und fummeln in ihren Bärten rum. Ein bisschen knapper könnte das Kleidchen schon ausfallen. Aber nein, die Mädels wollen nicht sexy sein, sondern individuell. Breathe Owl Breathe haben das selbe Problem. Leider! Ihre Musik ist verwunschen und verschroben. Das Piano klimpert, das Cello weint und die Drums hüpfen zu warmen Worten. Hier machen Freunde Musik. Dass das aufgenommen wird ist fast Zufall. So klingt das wenigstens. Der Folk der Freaks sieht anders aus, doch auch Breathe Owl Breathe sind nicht ganz frei von Elfen und moosigen Ellenbogen, doch ihnen ist der Traditionsfolk näher. Bonnie Prince Billy oder Smog sind ihre geistigen Nachbarn. Das Problem, die schreiben bessere Songs und schaffen eine andere Intimität und Zerbrechlichkeit.
Breathe Owl Breathe
Zuweilen ist “Magic Central” recht fröhlich. Der zweistimmige Gesang fabuliert schon mal Sonnenstrahlen im Norwegerpullover. Sänger Micah Middaugh erzählt die amüsante Geschichte, dass er “Magic Central” immer ohne R ausgesprochen hat und das R im Studio an die Wand genagelt hat, um die magische Mitte zu demonstrieren. Albern, aber süß.
Die Songs bleiben kleben und machen Spaß. Man sucht doch oft die Ecken und Kanten oder das totale Popzitat. Fündig wird man selten. Die Songs gaukeln oft einen Charakter vor, der gar nicht innewohnt. Wie bei einem Billo-Rotwein, der dir Gaumenfreuden mit Vanilleabgang verspricht und du nur Säure erschmeckst. Fans der Bowerbirds sollten dennoch mal ein Ohr wagen und die Mädchen mit den Nähmaschinen haben meinen Respekt, aber ein bisschen körperbetonter darf es ruhig sein. Die Stimmen von Micah und Andrea begleiten jeden Stich. Schön wie Eulen.
Erscheint am 1.Oktober bei Hometapes

Breathe Owl Breathe – Lake Light from Miscellany on Vimeo.

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