Mit – Nanonotes

„Gehen wir zusammen, werden wir das Ziel. Wenn jeder Schritt ein Wind ist, werden wir Sturm.“ Große Worte finden sich scheinbar beiläufig am Wegesrand in einem geheimnisvollen Odenwald. Doch weder dieser noch sonst irgend ein deutsche Wald wird gefegt. Dem Vortrag symbolträchtiger Weisen fehlt es bewusst an Emphase und an Ton. Keine Akklamation, keine Provokation, keine Ironie. Die Worte werden fast ungelenk und flach gesungen. Sie stehen niemals im Vordergrund, tragen aber dennoch den unbestechlichen Charme unschuldiger Jugend als Kernaussage auf einem schillernden Silbertablett vor sich her.
Den Anspruch einer Balance zwischen stilistischer Ausdifferenzierung und unbearbeiteter Einfachheit scheinen MIT verinnerlicht zu haben. Ein Spagat, der ihnen mühelos gelingt. Daraus erwachsen Widersprüche, die für sie keine Widersprüche sind. Jederzeit unbekümmert wirkt ihre Bekümmertheit. Halbwegs versponnen tänzelt ihre Besonnenheit. Weitgehend unsicher wirkt ihre Stilsicherheit. Jederzeit unbewusst scheint ihr Bewusstsein für Stilsynthesen aus NDW und zeitgenössischem Elektropop, zwischen aktuellen elektronischen Bandkonzepten und den Syntheszier-Titanen der 1970er in ihre Stücke einzufließen.
Mit den wichtigsten Referenzen deutscher elektronischer Popmusik im Gepäck rollen MIT in gleichbleibend mäßigem Tempo durch Stadt und Land und Wald. Nicht selten greifen sie in den Rucksack der Überväter Kraftwerk, um sogleich die ebenso kühle wie plakative Poesie eines Stephan Eicher wieder aufleben zu lassen. Tatsächlich ist die zuweilen sehr kryptische Poesie der Texte eine der hervorstechenden Qualitäten von MIT. Schließlich findet sich mit „Instrumental“ ein Track auf „Nanonotes“ ein, dessen Bass die Stimmung von Malarias „Kaltes Klares Wasser“ wieder aufzunehmen scheint.
Mit - Band
Für die Produktion ihres zweiten Albums flog die Köln-Berliner Band eigens nach London. Dort entstand im Studio von Jas Shaw von Simian Mobile Disco ein erstaunlich unenergisches Album, das in vornehmer Blässe auf geballte Synthesier-Attacken verzichtet, und gerade damit sein Gespür für ästhetische Feinheiten zum Ausdruck bringt. Denn Edi Winarni, Felix Römer und Tamer Özgönenc geht es immer um den feineren Geschmack in den Randzonen zwischen Elektropop und intellektueller Versponnenheit.
Um atemlose Unverbrauchtheit, um selbstbewusste Schüchternheit ebenso, wie um den zarten sympathischen Hauch einer dürren Sprödigkeit. Ein Spagat, der ihnen in der Tat anscheinend mühelos gelingt. Wenn MIT es in Zukunft darüber hinaus schaffen ihre Kompositionen aus dem engen Käfig einfacher Kadenzharmonik zu befreien, steht ihnen Größeres bevor. Tänzelnd, nicht tanzend.
“Nanonotes” erscheint am 10.09.2010 bei Cooperative Music.

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