Antony and the Johnsons – Thank You for Your Love

Was hat sich bei Antony getan? Mmmmh…! Nicht viel. Antony schluchzt sich auch auf seiner Vorab-EP durch die Songs. Die Bläser in “Thank You for Your Love” hüpfen fast sommerlich durch den Garten. Ja, das könnte neu sein! Wenn Antony ansetzt klingt das selten fröhlich. Sogar seine Danksagung klingt gequält und irgendwie fordernd. Er betet seinen Gegenüber fast an und versucht sich durch das wilde Wiederholen des Dankes in Rage zu fühlen. So müsste der Gegenüber eigentlich die Liebe ablehnen. Zu viel steht auf dem Spiel. Ein Klammerblues der Klettenfraktion. Im zweiten Song ist es ähnlich. Antony versucht den Schatz zu bergen. Den Schatz, den wir Sterblichen Liebe nennen. Ganz kurz ist der Song geraten. Er baut sich schattig auf, um im nächsten Moment in einer Liebes- oder Freundschaftserklärung zu münden. Das Klavier bleibt an der anschmiegsamen Kante hängen und zelebriert die warmen Töne. Gut, das kennen wir nun schon seit drei Platten.
Das Besenschlagzeug hat die Snare mit alten Badehandtüchern abgedeckt. Nur die HiHat zischelt zum Mitwippen. Auch der Herr sollte aufpassen. All die Schäfchen scheinen aus dem Ruder zu laufen. Auch Antony schlägt nicht immer den artigen Weg ein. Doch warum sollte er nicht geliebt werden? Er ist doch ein Mensch! Der Beschützer, der Hirte muss dringend versuchen all das Wichtige im Leben zusammen zu halten. An jeder Ecke wartet die Unvernunft und das Laster, die können schon mal ein Leben zerstören oder eine Liebe.

Antony and the Jonsons

Antony bleibt also bei seinen Leisten. Die Songs tröpfeln langsam aus den Ritzen und bauschen sich kurz zu einer Steigerung auf, um dann im nächsten Moment abrupt zu Ende zu sein. Skizzen werden zu Mini-Nummern, die erst nach mehrmaligem Hören an Dichte und Schlagkraft hinzugewinnen. “Pressing On” überrascht mit einer Picking-Gitarre, die sich mit einem Vibraphon hochschaukelt. Antony versucht sich zurückzuhalten. Doch seine zweite Stimme gibt der Dramatik Futter. Ein Gospel für die Ewigkeit. Der Glaube scheint nun Antonys Antriebskraft zu sein. An was oder wen glaubt denn Antony? Hatte er nicht dem Hirten mal abgeschworen? Er versucht nun alles, um im Leben seinen ihm zugewiesenen Platz zu finden. Auf der Suche nach der Liebe muss Antony viel geben, viel überstehen. Und wohl auch viel einstecken. Eine Enttäuschung kann schon mal zu einem größeren Problem werden. Sein Betteln geht direkt in die höheren Kanäle. Er steigert sich in Trance und wiederholt gerne mantraartig seine Themen und Fürbitten.
“Imagine” am Ende ist eine gelungene Coverversion. “Imagine there’s no heaven. It was easy when I tried.” Schön das Antony es in der ersten Person singt. Die Gitarre streichelt sich sanft in den Schlaf. Und am Ende bleibt das hohe “You” stehen, das Antony fast endlos dehnt. Antony meldet sich also zurück. Es hat sich nichts verändert. Das kann aber auch mal einfach nur toll sein. Ein bisschen harmlos, doch voller Gänsehautmomente. Mal sehen, was das Album bringt…
Erschienen bei Rough Trade

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