Smith Westerns – Smith Westerns

Auch die Smith Westerns haben das “The”- Problem. Ob mit oder ohne, das Hype-Potenzial ist gigantisch. Ihre Songs brechen durch die Tapete, dass das Nirvana-Baby sich fast am Dollarschein verschluckt. Die Smith Westerns sind dreckig. Sie müffeln, ihr Proberaum riecht und Nachbarbands wie die Strokes klopfen schon mal an die Eierkartons. “Könnt ihr euch nicht mal amtliche Instrumente oder wenigstens amtliche Mikrofone kaufen?” Niemals! Der Punk der Buzzcocks liegt wie ein angenehmer Fluch auf den Buben, die in “Boys Are Fine” den Traum zu Ende denken, am Ende die Glöckchen klingeln lassen und von den Girls frische T-Shirts gereicht bekommen. Sie sind verliebt. Auch duftende Blumen werden den Jungs vor die Füße geworfen, Julian Casablancas wird neidisch. Er zertrampelt sie mit Rumpelstielzchen-Gehüpfe. “Warum singt der noch cooler als ich?”

Smith Westerns

Do It Yourself bekommt neue Gesichter, neue Frisuren, neue brennende Gitarren. Die Orgel gniedelt sich an T.Rex ab, der Bass hüpft Bowie um die Lenden und der Song steht im Vordergrund, mit all der Schlagkraft, die Poprock mit Attitüde kennzeichnet. Wunderbar trashig werden riesige Hits dargeboten, die schon mal ausgeblendet werden, um dann doch wie ein Bumerang zum Ende zu kommen. Die Produktion ist angenehm schlampig. Dagegen klingt Best Coast nach Stuart Price. Die Songs rocken hippiemäßig durch. Sie halten an keiner Milchkanne, sondern legen ihren Kopf in den Nacken und sprinten Richtung No-Lo-Fi-Zielfahne.
Die Dum Dum Girls zeigen viel Bein. Den Jungs der Smith Westerns ist das schnuppe. Hier geht es um die Party, das letzte Bier, den Schweiß, die enge Jeans und den größten Bong. Mit den Girls wird erst nach der Garagenzeit am Lagerfeuer geknutscht. Vorher werden Arme in die Luft geworfen und Hymnen aus vollem Halse mitgegröhlt. Wenn du mit dem Kopf in der Badewanne untertauchst und der Oldiesender in deinem alten Kofferradio Thin Lizzy spielt, bekommst du einen Eindruck davon, was die Smith Westerns so abliefern. Das Wasser bekommst du nicht mehr aus den Ohren.
Chicago bekommt den Anti-Jazz Zuckergussmarsch der Siebziger Jahre geblasen. Die Stimme verliert schon mal die Bodenhaftung und fliegt im Krachmobil an der Schepper-Snare vorbei. Die Boys are back in town. Ihr Potenzial ist nicht in Effektgeräten aufzuwiegen. Sie brechen durch die Tapete und alle werden große Augen machen. Alle! Kinderplatte des Jahres.
Erscheint am 31. August bei Fat Possum

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