The Mike Benign Compulsion – Rollicking Musical

Der besondere Wille etwas Vollkommenes anzustreben, der unbändige Drang zu musikalischer Poesie und Schönheit, die persönliche Berufung den einzig wahren Popsong aus den schweren alten Messingformen des Vehikels Gitarrenband zu gießen, ihn jederzeit heiß zu schmieden mit seinen Traditionen, Vorlieben und Referenzen bis zu seiner alles durchdringenden Perfektion, das alles ist nichts, was über Nacht entsteht.
Derartige Erkenntnisse wollen reifen bevor sie als Bekenntnisse umgesetzt ihre schwingenden Bahnen brechen; oft ein ganzes Musikerleben lang. Da kann die Biografie schon mal etwas mehr Bandnamen beinhalten. Doch schließlich fließen die mit allen Brüchen, Zweifeln und unerwarteten Lebenswendungen gewonnenen Selbsterkenntnisse um so wirkungsvoller in das gereifte Songwriting mit ein.
Mike Benign ist seit den späten 1980ern unter anderem durch Bands wie Umbrella Man, Arms & Legs & Feet und Blue in the Face ein guter Bekannter in der Rockszene Milwaukees. Zusammen mit Joe Vent produzierte er nun nach längerer Zeit das Album „Rollicking Musical“, das zunächst als Solo-Werk geplant war, sich dann aber in Folge der Produktionsentwicklung als ein neues Bandprojekt mit Gastmusikern entpuppte.
The Mike Benign Compulsion Band
So zogen Benign und Vent neben mehreren Studiomusikern den Bassisten Brian Wooldridge und Schlagzeuger Mike Koch hinzu, um eine Liveband zu formen. Die Vier vom Michigansee streiften also mit weltmännischer Selbstverständlichkeit schwarze Hemden und schlichte Sakkos über ohne diesen Akt jemals ihrem Publikum als imagebildende Geste aufzudrängen. Sie tun es einfach. Denn alles an ihnen ist unpretäntiös, uneitel. Das wird schnell klar, wenn man das reife Songwriting mit dem schnörkellosen Erscheinungsbild der Band vergleicht. Es geht immer nur um den Song und den Schliff an ihm, der ihn noch besser macht.
Seit dem Frühjahr 2010 stehen nun The Mike Benign Compulsion auf den Bühnen des mittleren Westens, als wäre nichts gewesen. Sie packen auf ihrem gemeinsamen Debüt ebenso wie bei ihren Konzerten ihre gesammelten persönlichen Rock-Enzyklopädien aus und wickeln Lebenserfahrung mal zurück gelehnt, mal als Uptempo-Song in wunderschöne mehrstimmige Gesänge, getragen von ebenso unkonventionellen wie ideenreichen Harmonielinien.
Überhaupt sind das gute Gespür für feine harmonische Entwicklungen das große Verdienst der Mike Benign Compulsion, weshalb man ihnen wohl auch gerne den Vergleich zu Guided By Voices zuspricht. Und als fast schüchternes Sahnehäubchen erklingt dann sogar hier und da ein Mellotronklang. Dabei ist Benign immer ein überzeugender Sänger, der den dramaturgischen Bogen einer Melodie mit einem machmal auch ironischen Text sehr feinsinnig bespannen kann. Meine Anspieltipps: „So Easily Sold“ und „Let Alle The Losers“.Vielleicht kann man die ja dann auch während der nächsten Europa-Tour hören.
Rollicking Musical ist im Mai 2010 bei Beautiful Human erschienen. The Mike Benign Compulsion bei MySpace.

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