The Like – Release Me

Komm wir wechseln die Küsten! Komm wir wechseln die Klamotten! Komm wir wechseln alles, was uns bis hier her gebracht hat! Power-Rock will doch keiner mehr hören. Doch ist Sixties-Girlpop am Puls der Zeit? Fragen wir doch Mark Ronson. Der lächelt etwas müde. Nach der Erfolgsgeschichte mit Amy Winehouse ist es um den Dandy still geworden. Da kommen ihm die Girls aus L.A. genau richtig. Ronson näht ihnen ein neues Korsett, das eng sitzt und all das besitzt, was eine Sixties-Band so ausmacht. Die Songs sind mit Bubblegum gefüllt und die Texte drehen sich um Boys. Na klar, kommen die Boys nicht gut weg. So ist das halt in der glossy Mädchenwelt. Jede Enttäuschung bekommt ein Riff, jeder Kuss ein Oh und jede Schwärmerei einen sexy Augenaufschlag. Pfiffiges Georgel trifft auf Singalongs der alten Schule.

The Like

Der Tanztee wird in die Abendstunden verschoben. Die kurzen Kleidchen werden aus der Mottenkiste gezaubert. Die Stiefel glänzen im Neonlicht. Die Jungs in ihren engen Hosen können den Blick nicht abwenden. Das Tempo ist hoch. Die Hüften werden zackig bewegt und der Schweiß bleibt im teuren Taschentuch. Ein Gin Fizz macht Lust auf eine wilde Knutscherei. The Like bedienen sich an der Cocktailbar, so als würde alles ihnen gehören. Der Trend ist der Trend und sonst nichts. Frontfrau Z Berg hat diesen liebenswerten Starappeal, der nur noch selten zu finden ist. Sie schiebt die Band in eine andere Liga. Retropop für Neuankömmlinge. Kaugummiblasen mit wenig Geschmack. Doch zählt nicht der Spaß?
Die Orgel schimmert spooky im Bühnenhintergrund, die Snare scheppert tüchtig durch schwarz-weiß getünchte Fotoalben. Deine Mutter schiebt sich auf die Tanzfläche. Was will die denn hier? Dein Freund will nur die Mädels begaffen. Dann soll der doch mit denen nach Hause gehen! Musikliebhaber suchen nach Referenzen und wollen nicht die schon tausendmal Gesagten wiederkauen.

The Like sind eine Showtruppe, die spielerisch einiges auf dem Kasten hat, doch man verliert sehr schnell die Lust an den Songs. Vielleicht live ein Augenschmaus, doch für zu Hause oder unterwegs ein wenig zu flach. Mark Ronson hält alles schön zusammen, eine luftige Produktion, der man das Jahr auch in zehn Jahren nicht anhören wird. Für einen Nachmittag ein lustiger, ja charmanter Ausflug in vergangene Zeiten. Sorry, mehr aber auch nicht. Amy wird nicht neidisch, Duffy und Adele schwitzen nicht. Eine Jukebox-Band!
Erschienen bei Downtown

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