Stella – Fukui

Klarheit, ohne mit der Wimper zu zucken. Kein großes Brimborium. Einzelne Töne werden angerissen oder durch die Misosuppe gezogen. Mit Schleifchen im Haar geht die Reise durch Garküchen, in denen alles nur kurzweilig frittiert wird. Man isst hektisch mit schmatzenden Geräuschen. Die Nudeln sind so glasig, wie deine Augen nach einer Sake-Nacht. Das Klavier legt sich mit dem Sequenzer an. Elena Lange haucht, dass Talent wie rausgeschmissenes Geld den langen Fluss hinunter gespült wird. Störfiepen lotet die Untiefen der Entfremdung aus. Stella halten an der Bushaltestelle nach Japan. Sechs Jahre sind vergangen. Die Welt hat sich weiter gedreht. Elena Lange auch. Ihr Japanisch kommt flüssig über die Lippen. Thies Mynther und Mense Reents legen ihr den Teppich aus, der mit Kimono und Schläppchen betreten wird. Jeder Abdruck wird mit einer Verbeugung goutiert.
Arpreggien träufeln sich durch die Schnabeltasse und Blitze zerschlagen das Bonsaibäumchen. Eine Fuge schlängelt sich durch lästiges Terrain. Doppelte Kontrapunkte bietet Lange mit ihren fast belanglosen Ausführungen. Unsexy, doch lässig bleibt sie wie auf der Schwelle kleben, um das Gebilde nicht zu verwaschen. Jeder Ton ergibt eine Struktur und geht nicht im großen Ganzen unter. Jeder Blitz hellt den Himmel auf. Schwurbelnde HiHats knistern in der smogverdichteten Stadt. Honigartige Ausscheidungen verkleben die Essstäbchen. Je süßer das Dessert, desto größer der Durst.
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Stella hecheln durstig nach klanglichen Experimenten. Mit Übersprungshandlungen hat “Fukui” nichts am Hut. Der Funk bleibt in der Umrandung haften. Ein Reiskuchen wird zur Schwarzwälder Kirschtorte. Bergfest wird natürlich erst gegen Ende gefeiert. Die Region Chubu bleibt auch trotz Google Earth eine Gegend. Mehr auch nicht.
Das übertriebene Lachen im sechsten Track erinnert an Josh Wink. Doch Erinnerungen verzischen im Nahverkehr. Einen Beckenschlag später sind dunkle und helle Sojasoße vermischt. Der Teufel lacht. Der japanische Eiswagen kommt vorbei und bringt uns Softeis in Sushi-Qualität. Stella melden sich zurück ohne aufzufallen. Wie eine Geisha trippelt “Fukui” auf leisen Sohlen durch die Wohnstube. Wie von Geisterhand werden die Keramikschalen wieder aufgefüllt und man löffelt munter weiter. Wer noch mal nach nimmt bekommt einen Singer-Songwriter-Track als Glückskeks. Muss ein Glückskeks immer aus China kommen? Und die Brandung rauscht. Weltmusik für den Club in der Küche. Pizzicato Five waren süß, Stella sind roh.
Erscheint am 27. August bei Snowhite (Universal)

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