Arcade Fire – The Suburbs

Schöne Sentimentalität ist eine, die durch die eigene Biografie um Herkunft und Kindheit unterfüttert wird. Eine, an die man sich gern erinnert. Eine, die ohne Taschentuch auskommt und mit dem Wissen, dass die Spannung der angetrockneten Tränen auf der Haut zu neuen Kräften verhilft. All das verdichtete sich 2004 mit „Funeral“ in ein musikalisches In-den-Arm-genommen-werden im großem Albumformat.
Tröstliches Fabulieren und sich dabei in nicht mehr enden wollenden Kaskaden steigern, um das schmerzliche Ende eines Songs hinaus zu zögern. Hymnen auf Kindheitserinnerungen, Rückbesinnung und Abschiede bekamen schnell ziemlich erwachsen gewordene Fans und auf einmal sang sogar David Bowie mit.
Sendungsbewusstsein und der Hang zu epischer Größe waren zwei Hauptmerkmale von Arcade Fire wie wir sie in den letzten Jahren schätzen lernten. Und was auf „Funeral“ schon groß war, wuchs auf „Neon Bible“ weiter in einen fast beängstigenden Gigantismus, auch der Anspruch zu missionieren und sich politisch zu positionieren. Mehrstimmige Streicherarrangements feierten ein furioses Comeback, um schon bald von Chor und Kirchenorgel in den Schatten gestellt zu werden.
Arcade Fire
Mit „The Suburbs“ kommt nun auch über Arcade Fire der Gedanke des Einlenkens, des Gesundschrumpfens in Anspruch, Instrumentierung und Arrangement. Ok, Bescheidenheit ist eine Zier, aber ob dieser Ansatz für die Gruppe um Win Butler wirklich Sinn macht, sollte man mit etwas mehr Abstand überprüfen. Aufs erste Hören kann ich nur dem Titelsong „The Suburbs“ besondere Qualitäten zusprechen, viel zu wenig, um in die zahlreichen jetzt schon vorliegenden Lobeshymnen mit einstimmen zu können.
“The Suburbs” ist bei City Slang erschienen.

0 Gedanken zu „Arcade Fire – The Suburbs“

    1. @ Bosch: Aber ja! Jeder hat doch einen reichen Schatz an Hörerfahrungen, so man sich mit Musik beschäftigt. Ich fühle mich durchaus in der Lage beim ersten Hören eines Werkes desssen kompositorischen Strukturen mit meinen Hörerfahrungen zu vergleichen und danach das Werk auf Qualität und Innovationsgehalt abzuklopfen. Würde ich mit etwas vollkommen neuem konfrontiert, dessen Idee und Konzept ich eben nicht einordnen und verstehen kann, ok, dann müsste ich meinen Komentar zurückstellen, aber das ist bei “The Suburbs” nicht der Fall.

  1. Am Ende des Jahres wissen wir mehr. Arcade Fire-Fans sind ja schon zufrieden, wenn Win Butler die Augen schließt und einatmet… Auf meinem Teller taucht sie auch nicht so oft auf. Vielleicht ist es noch zu warm draußen oder es war lange keine Beerdigung mehr. Abwarten und Bier trinken!

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