Max Richter – Infra

Überreife. Ermattung. Gestern und vorgestern. Ein Rest. Der besteht meistens aus vielen Teilen. Doch das entdecken wir immer zu spät. Ein Hauch. Vier Winde aus vielen Richtungen. Oder viel Wind aus vier Richtungen. Schwindel. Alles dreht sich. Etwas entschwindet. Ein Strudel.
Das zu Vergessende geht ohne Abschiedstafel. Da geht es hin, ins vielbeschworene Dunkel. Wir wenden uns vom Geschehen ab in die gewollte Introspektion. Dort geben wir uns in aller Gemessenheit den verbliebenen sentimentalen Bruchstücken hin.
Max Richter ist ein vielseitiger Musiker und Komponist. Er studierte in Edinburgh an der Royal Academy of Music und in Florenz bei Luciano Berio. Neben anderen begründete er das Ensemble Piano Circus und arbeitete in den 1990ern z.B. mit Future Sound of London zusammen. Er schrieb die Filmmusik zu „Waltz with Bashir“ und veröffentlichte 2002 sein Debütalbum „Memoryhouse“.
Im Juli ist nun sein neues Album „Infra“ erschienen. Darauf findet sich einmal mehr sein ganzes Können. Souveräner Umgang mit dem Piano, kleine und große Streicherflottillen wogen in perfekt austarierter Bewegung. Nur nicht zu schnell. Denn es geht um typische Sentimentalität. Solopiano oder Violine tragen als leistungsfähige Sattelschlepper das volle Gewicht neoromantischer Themen vor. Alles schwillt meisterlich. Der Vortrag, die akustischen Arrangements, der elektronische Zuckerguss wie auch die Produktion. Ein gelungenes Werk, dem man nur eines vorwerfen kann. Große Konventionalität. Denn viele der harmonischen Kompositionsbausteine, der Intervallgewichtungen und Auflösungen sind nicht erst seit Arvo Pärt sondern schon seit Georges I. Gurdjieff bekannt.
Infra ist im Juli bei Fat Cat erschienen.

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