Marina & The Diamonds – Family Jewels

Pop ist Verführung. Guter Pop hat die Möglichkeit Dir etwas zu bieten, was Du als selbsternannter Indiehörer nicht entdecken magst. Er kann Dich verzücken und verzaubern und gleichzeitig bleibt die Faszination dafür, warum Du ausgerechnet das magst, was vermeintlich für die Masse gestrickt wurde.
Wie so viele war “Hollywood” mein erster Berührungspunkt mit Marina & The Diamonds. Beim ersten Hören war ich interessiert und zugleich abgeneigt. Da ist erstmal die gewöhnungsbedürftige Stimme der Waliserin. Marina kann wirklich singen und beweist das. Sie wechselt die Tonlagen und geizt nicht mit Vibrato. Das muss man mögen, denn es kann leicht anstrengen. Nicht umsonst drängt sich oft der Kate Bush Verweis auf.
“Hollywood” tat ich, mit nur einem Ohr zuhörend, dann als seichte unreflektierte Popnummer ab. Dabei ist die Nummer so leicht misszuverstehen wie dazumal Springsteens “Born In The USA”. Dachte ich zuerst, dass es eine Lobeshymne auf den Amerikanischen Traum sei, handelt es sich doch genau um das Gegenteil. Eine amüsante Beschreibung der Eitelkeiten und noch bevor ich das verstand, war die Nummer bereits in meinem Kopf verankert.
Marina macht die Art von Musik, die ich mir vor zehn Jahren noch verstohlen zu den cooleren Platten stellte. Dabei ist daran nichts Falsches. Die Erkenntnis, dass eine Justin-Timberlake- oder Beyonce-Scheibe genau so erfrischend und wohltuend sein kann wie ein Album von Bonnie Prince Billy, Cat Power oder weezer, brauchte bei mir seine Zeit. “Family Jewels” kann dabei genau das Album sein, dass diese Erkenntnis einer neuen Generation offenbart. Es ist clever, es ist tanzbar, es ist eingängig.
Ein Song wie “Oh No” zieht Dich schnell in seinen Bann und auch sonst bietet die Platte nur wenige Filler. Dass Marina auch ruhiger kann, beweist sie mit dem großartigen “I am not a Robot”. Einem herzerweichenden Abgesang auf vermeintliche Gefühlskälte. Einem Appell, Verletzlichkeit zuzulassen.

Kurzum eine der besten und cleversten Pop-Platten dieses Jahr.

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