Taylor Deupree – Shoals

Überlagerungen und Überlappungen. Kongruenzen, Klanggebilde und Knäuel, unentwirrbare. Verdichtungen. Klangschwärme und Koinzidenzen ergeben das musikalische Werk. Musik besteht nicht aus einer Abfolge von Klangereignissen, selbst wenn wir diese als Töne bezeichnen, sondern aus den Beziehungen, die unsere cerebralen Rinden zwischen ihnen erkennen.
Auch das Bedeutungsfeld von Shoals hat seine Doppelbereiche. Einerseits kann es der Fischschwarm sein, andererseits aber auch das seichte Gewässer, die Untiefe oder die Sandbank, die bei Ebbe aus dem Gewässer tritt.
Durch die Teilnahme an einem Artists Residency Programm kam Taylor Deupree Ende 2009 nach York. An der dortigen Universität wollte er einen neuen Ansatz verfolgen. Er beschloss mit der universitätseigenen Sammlung Javanischer und Balinesischer Gamelaninstrumente zu arbeiten. Für die Aufnahmen zu seinem insgesamt dritten Album näherte er sich diesen Metallophonen, Holzxylophonen, Gongs, Flöten und Trommeln allerdings nicht auf herkömmliche Weise. Taylor Deupree untersucht auf „Shoals“ die Oberflächen und Materialien der Gamelaninstrumente ganz allgemein auf ihre Klangeigenschaften.
In der Loop-Fabrik Kyma wurden die Aufnahmen dann geschnitten und geschichtet. Dieser Teil des Arbeitsprozesses wurde danach erneut mit Raummikrofonen im Studio aufgenommen. So kamen Schicht um Schicht immer weiter verfremdete und immer weiter entrückte Klangereignisse auf die Festplatte.
Am Ende entsteht ein sehr loser Klangschwarm knöcheltief in ufernahen Gewässern. Ein Schwarm, der vordergründig keine erkennbare Struktur zu besitzen scheint, der keiner Dramaturgie folgt, und nicht von größeren Packungen kinetischer Energieriegel angetrieben wird.
„Shoals“ steht als Gesamtbild einer Ästhetik von auf Fieldrecordings beruhenden Arbeiten wesentlich näher, als jedem Grundprinzip rhythmischer Stringenz. Damit treibt Taylor Deupree den Gedanken der Auflösung wesentlich weiter als das ebenfalls stark von Gamelan beeinflusste “Amalgam:Aluminium/Hydrogen“ von Gregory Taylor. Und dieser Ansatz ist gelungen. Ein Album, das nichts fordert. Ein Album, das allein durch sein Nichteinfordern von jeglicher Art von Struktur, Stil oder Kompositionsmodell zum Kontrapunkt wird. Ein Album wie ein Eremit.
Shoals ist im Juni 2010 bei 12k erschienen.

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