Wolfparade – Expo 86

So eine Weltausstellung ist schon ‘ne Sache. Jeder möchte seine Farben präsentieren und bietet alles feil, was nicht bei drei im nächsten Pavillon noch besser verarbeitet rumliegt. Wolf Parade sind auch Aussteller. Sie legen uns ein neues Werk vor die Füße und wir müssen gucken, was wir damit anfangen können. Ist es alltagstauglich, springt der Funke über, ist genug Kunstansatz drin oder bleibt Kanada nur ein Arcade Fire-Land? Spencer Krug und Dan Boeckner heben ihre hektischen Songs nun wieder in Richtung Allgemeinheit. Auf der Vorgängerplatte waren noch Wege ausgeleuchtet worden, die nicht immer den Nerv der Indiekids trafen, so aber um so mehr den der schreibenden Zunft und den der Eckensteher mit Hornbrille. Nun ist alles wieder etwas nachvollziehbarer. Die Gitarre drängt das Keyboard in die Achtziger. Der Beat treibt alles auf die Tanzfläche.
Da Spencer und Dan singen und Songs schreiben war oft der Gegensatz das Außergewöhnliche. Nun nähern sie sich wieder an und die Songs bekommen ein Mäntelchen umgelegt, mit dem beide gut leben können. Hymnen bekommen ihr Fett weg. Beide singen zusammen und schieben so Songs in den Pophimmel. Dass die Songs fast immer an die fünf Minuten kommen, ist schon längst keine Überraschung mehr. Wolf Parade wollen Musik machen und da dauert es seine Zeit, den Songs den Stempel oder die Richtung aufzudrücken. Kleine Parts, große Schlachtschiffe und ausufernde Klimperparts fliegen durch den Rockkosmos. Oft wird viel reingepackt, manchmal rauscht es ein wenig, da fliegen zu viele Erinnerungen und Sounds durch die Luft, dass einem fast ein wenig schwindelig wird.
Wolf Parade
Das Tempo ist hoch, das Midtempo für die Folkluschen. Die Stimmen der beiden sind mit Hall ausgestopft und bleiben immer an Bowie kleben, haben diesen New Wave-Touch mit Kühle und Zement. Wie zwei schwere Steine melancholisieren sich die beiden durch quietschende Passagen, durch Klingelkeyboards und Einzeltongitarren. Arcade Fire ist natürlich im Hinterzimmer und nagelt Särge. Oft reichen Uhhhs und Ahhhs , um das Ganze nach vorne zu treiben. Die Drums scheppern schön im Ventilatorwind und zerbrechen Sticks am laufenden Band.
Dass, was die neue Scheibe ausmacht, liegt wohl an den Rändern. Das Wechselspiel der Stimmen, das Spiel zwischen Gitarre und Keyboard, die sich umgarnen, aber auch auslöschen wollen sind Wolf Parades Aushängeschild. Alle Instrumente sind im Vordergrund, jeder hat was zu tun, ob das nur im eigenen Saft entsteht ist zweitrangig. Jede Idee kommt auf Band. Und es gelingt, die Songs sind groß angelegt, mit vielen Parts und Aufbrechungen. Alles geht in Feuer auf, während das Schwarzlicht jeden Fussel zeigt. Immer wieder kommen einem Ultravox und deren Klone in den Sinn.
Wie aus einer verlorenen Zeit, versuchen Wolf Parade ihren Weg weiter zu zeichnen. Die Songs wackeln und scheppern, wie zu guten alten Modest Mouse-Zeiten, doch Isaac Brock war der bessere Shouter, der einfach noch mehr Theatralik in die Songs legen konnte. Wolf Parade werden trotzdem mit ihrem Synthie-Rock neue Freunde gewinnen. Dafür treiben die Songs zu sehr und belegen mal wieder, dass der Indiezirkus immer noch ganz gute Tiger im Käfig hat. Sie fauchen nicht so laut, aber streifen durch die Manege mit tropfenden Lefzen. Amtliches Werk, das vielleicht doch in einem halben Jahr noch auf dem Teller verweilt, man muss halt den richtigen Tanzmodus programmieren und die richtigen Girls an seiner Seite platzieren, dann könnten wilde Parties entstehen. Hast du auch mal Bontempi gespielt? Komm, dann gründen wir eine Band!
Erschienen bei Sub Pop

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