Menomena – Mines

Unter welchen Hut soll man Menomena packen? Nimmt man den Schlapphut, den Bauarbeiterhelm oder doch lieber die Kochmütze? Menomena verwickeln sich in Grabenkämpfe. Sie treten nicht auf der Stelle, sind eher unterwegs mit Handgepäck und Einmalzahnbürste. Jede Straßensperre wird mit dem Indie-Pass hinter sich gelassen. Danny Seim und seine zwei Mitstreiter hauen uns zum City Slang-Jubiläum saftige Stücke um die Ohren. Nach “Friend And Foe” von 2007 nun also “Mines”. Sperrig und versponnen kommen die Songs daher, haben aber bei genauerem Hinhören eine Leichtigkeit, die sich ungefragt den Songstrukturen nähert, um dem Sommer Tribut zu zollen. Bläser, Keyboards und scheppernde Drums stehen im Vordergrund. Die Gitarren wirbeln und folken mit crazy Chordfolgen, die immer kurz innehalten und ihr eigenes Timing entwickeln. Auch Surfpickings brechen Wellen, die ein verzerrter Bass einzufangen versucht. Surf wird zur Beachwanderung.
Wo ist die Linie, die ein angeblich Betrunkener lang stolpern soll? Blasen bitte! Menomena taumeln und eiern. Sie ziehen das Wackelige an. Immer wieder zerfallen die Stücke in Jimi Hendrix-Gewichse und flächendeckende Melancholie. Rock taucht mit Kulleraugen am Rande des Highway auf und hat ein Pappschild in den Händen. Auf dem steht in großen Lettern “HOME”. Psychedelische Klänge mit tropfenden Keyboard-Tupfern, die mit sägenden Gitarren gekreuzt werden, versuchen die Stimme von Danny Seim zusammenzuhalten. Oft gehen die Songs coldplaymäßig auf und lassen kurz die Sonne rein. Doch Lichtschutzfaktor 20 reicht.

Menomena

So ein Schwachsinn, habe ich Coldplay erwähnt? Ich nehme alles zurück und fange noch mal von vorne an. Unter welchen Hut soll man Menomena packen? Nimmt man das Baseballcap, die Melone oder doch den Filzhut? Ein Klavier hallt als Unterlage für angedockte Midtemposongs. Die Melodien schachteln sich zu einem großen Paket mit Schleifchen. Die Rhythmik ist immer als Schüttelreim zu verstehen. Der Groove bleibt oft in den Auspuffen alter Schrottmühlen hängen. Es qualmt.
Die Songs treiben ohne Hektik in den Zick Zack-Kurs. Der rote Faden ist nicht mehr zu entdecken. Menomena lösen sich fast in Luft auf. Saxophone verblassen, Gitarren-Slides schieben sich an hüpfenden Klavieren vorbei. Wer hier noch mitsummt hat einen an der Klatsche. Spannende Exkursion.
Menomena veröffentlichen einen Popentwurf, der sich wehrt mit anderen gemessen zu werden. Menomena suchen nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten. Wild und ungestüm, doch mit dieser schon erwähnten unbeschwerten Leichtigkeit, die wohl angeboren sein muss. Sie lassen sich unglaublich viel Zeit. Alles dauert und spleent um die Wette. Ein kurzer Hi-Hat-Tusch lässt uns warten, fast zwanzig Sekunden wummert nur eine Trance-Orgel. Dann wird der rauschende Kassettenrekorder angeworfen. Es gibt viel zu hören. Viele tolle unpoppige Bläser, einige Gospeleinlagen und Scheppersnares. Menomena melden sich unverfroren zurück und schenken City Slang ein atemberaubendes Geburtagstörtchen. Die Kerzen wollen einfach nicht ausgehen, egal wie stark du deine Puste auch feuern lässt. Zeug zum Klassiker!
Erschienen bei City Slang

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