Tolouse Low Trax – Mask Talk

In the night when there’s no one there at all,
In the night do you hear somebody call.
You see someone and you tell yourself you’re wrong,
You hear a voice and you know it must belong.
To the night just a shadow on the wall,
And there’s no one there at all.
(Cliff Richard, 1980)
Die Nächte sind kurz. Sie sind heiß und flirrend. Die Zeit scheint vorübergehend verschwunden. Die Wände der kleinen weißen Häuser in den engen Gassen reflektieren die Hitze der Tage. Ein Kinderschrei. Ein Wirrwarr. Ein Rhythmus aus der fernen Fremde weht von irgendwo herüber. Er fühlt sich sandig an. Und er hat Ausdauer. Vollgesogen mit einer Magie der Beharrlichkeit berichtet er als Durchreisender von den Spannungen zwischen den Welten.
Das Muster ist so einfach wie funktionell. In niedrigem Tempo tritt ein einfacher Synthesizer-Bass in einem Ostinato auf. Er ist die Seele des Modells One-Pattern-Track. Um ihn baut sich alles auf. Es gibt keine Breaks und Parts in herkömmlichen Sinne. Vielmehr reihen sich in lockerer Abfolge einzelne rhythmische Einwürfe von den Seiten in das sich langsam verdichtende Gesamtbild ein. Irgendwann startet dann eine Snare oder einen offene Hihat ein, und die Nachwanderung beginnt. Alles befindet sich in trägem spannungsgeladenem Fluss.
Weitere Gäste aus der rhythmischen Sektion folgen mit fast dialogischen Einwürfen. Dadurch entstehen immer wieder kleine sehr wirkungsvolle rhythmische Verschiebungen, Rückungen, Perspektivwechsel, als Windhauch, der die Stofflichkeit des Pulses der Musik durchwühlt. Es entstehen Ecken und Kanten, Brechungen und Reflektionen, es erwächst Rätselhaftes und Psychedelisches.
Hier und da gibt es sparsame Anflüge solierender Motivik mit zitherähnlichem Klang, wie etwa beim Titelstück „Mask Talk“. Die gehauchten Vokalakte bei „Vai Vai“ könnte man gar als Reminiszenz an einerseits Can wie auch an den französischen Chanson deuten. Es wird klar, wie stark aufgeladen die Stücke von Tolouse Low Trax sind mit etwas was wir für gewöhnlich dem Genre Film zuschreiben: Suspense.
Tolouse Low Trax
Detlef Weinrich, bekannt durch die Gruppe Kreidler, hat im April dieses Jahres mit „Mask Talk“ sein erstes Soloalbum vorgelegt. Wie eine starke bis aufs äußerste dehnbare Sehne werden die Tolouse-Low-Trax-Stücke von treibenden Bassmotiven durchzogen, welche in immer wieder neuen Varianten mit Einflüssen rhythmischer Weltwanderungen aufgeladen werden.
Dabei hat sich die Stilistik wohltuend von Minimal und verwandten Hauptströmungen elektronischer Clubmusik emanzipiert. Die von afrikanischer Rhythmik beeinflussten Kompositionen ergeben ein traumwandlerisches Bild der Eigenständigkeit mit der Magie eines Boleros, welche jederzeit in der Lage sind einen zeitgemäßes Dancefloorset zu bereichern.
Mask Talk ist im April 2010 bei Karaoke Kalk erschienen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.