Kvelertak – Kvelertak

Schrei alles raus! Los, bis du Blut spuckst. Das Tempo der Double-Bass verursacht Knöchelverletzungen, jedoch sie übertreibt es nicht. Gitarren-Soli fliegen im Sekundentakt an deinem Kellerloch vorbei. Ein Männerchor bittet zur Beichte.
Heute Abend ist Party im Jugendzentrum, du musst noch deine Lederjacke mit Bier einreiben, du willst ja schließlich als Luzie, Schrecken der Straße in die Analen des Clubs eingehen. Deine Fingernägel sind schwarz lackiert, deine Fußnägel nicht, die sieht man eh nicht in deinen schwarzen Stiefeln. Kvelertak aus Norwegen knallen und rocken sich durch genreeinreißende Songs. Tempowechsel sind neben melodischen Riffs, die gerne dem Blues frönen, das Aushängeschild der Norweger. Gut, dass sie auf Norwegisch singen, ist vielleicht auch zu erwähnen, doch man würde auch auf Englisch den Text nicht verstehen. Dafür wird einfach zu viel gekreischt. Gut gebrüllt Löwe!
Kvelertak haben Spaß in den Backen und holen Hardcore und Black Metal aus der angestaubten Butterbrotdose und beißen hinein. Schimmel ist auch Kultur. Klaviere, akustische Gitarren und der Hauch von Punk verzieren diese Knaller. Satan hält seine schützende Hand über die tirilierenden Gitarrentones. Man spürt quasi den Plastikschlauch, der mit Bier gefüllt ist, zwischen seine Lippen gleiten. Jetzt musst du nur noch schlucken. Eine Soundwand baut sich vor dir auf und du bangst erstmal zur Begrüßung. Alle glotzen. Du hast es so gewollt. Du bist härter als diese Gangsta-Bubis. Du bist der einzige Black’N’Roll-Kollege in der Stadt. Jimi Hendrix wechselt im Himmel das LSD-Stirnband.
Kvelertak
Erlands Gekeife überzeugt bei jeder Zeile. Die Faust in der Tasche löst sich zu Thin Lizzy, Iron Maiden und Turbonegro. Spaß liegt in der Luft, auch wenn die anderen Jugendlichen sich dem Hip Hop hingegeben haben. Da kannst du doch nichts für. Du tanzt jetzt mit wehendem Haar. Produziert ist das ganze von Converge-Mastermind Kurt Ballon, der eine saubere, knackige Arbeit abliefert, die wohl dieses Jahr nicht zu knacken sein wird. Schmeiß Papierschnipsel in den Ventilator und flash deine Titten! Gemastert hat Mastodon-Alan Dolches. Der Mix stimmt, die Stimmung bleibt angekratzt und alle Bandmitglieder kommen zu ihrem Genuss. Die Hellacopters lassen ihre Rotoren wohl demnächst für immer ruhen. Nachbarschaftsfehde. Das alles macht süchtig und spült dir die Grütze durch. Unglaublich frisch und mit Ohrwurm-Garantie zischen die kurzweiligen Songs durch das Debüt. Kann man nicht besser machen.
Metal bekommt sein Fett weg und die Frisuren-Bands lassen Haare. Sommerplatte des Jahres! Die Finsternis hat ein Glühwürmchen ausgekotzt, dass betrunken durch die Nacht segelt. Blastbeats waren gestern. Groove is in the house!
Erschienen bei Indie Recordings

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