Superpunk – Die Seele des Menschen unter Superpunk

Carsten Friedrichs brummt sich endlich wieder durch 11 knackige Beatkracher. Zwei Jahre mussten Fans und die Friedrichs-Gesangsgegner warten, um eine neue Meinung, aber eigentlich die alte, am Stammtisch zu diskutieren. Das Tanzbein ist zwar immer noch aus Holz und bleibt des öfteren mit der Hacke im Linoleum hängen, doch Bernd Bergemann hat als Produzent einige Späne glatt geschliffen.
Wo früher noch das Astra in den Akkordwechseln hing, ist es nun nur noch in Carstens Stimmbändern. Hits tummeln sich bei den Hamburgern eh schon lange. Da kann man nichts wegbügeln, doch an der neuen Bar der Vernunft und des Weisen kuscheln sich die Hamburger nun mit altbekannten Mod-Anleihen und sogar einem liebreizenden Duett. Frauen können auch gut tun. Die Drinks werden teurer. Das muss aber nicht immer an den Frauen liegen, sondern am Geschmack.
Die Bläser strahlen klarer als auf früheren Aufnahmen. Die Dexys sind nicht mehr weit. Die Querverweise sind nun noch offensichtlicher. Begemann kann ja auch aus dem Stehgreif die neueste Lady GaGa-Nummer trällern. Die “A Whiter Shade of Pale”-Orgel in “Wir alle lieben dich, Daniela” strotzt nur so vor frecher Verneigung.
Superpunk

Einzig allein der Einstieg ins Album ist ein wenig sperrig, obwohl der Beatkracher “Ford Escort” alles mitbringt, was einen Superpunk-Song ausmacht. Eine “Louie Louie-Referenz und ein Beatgerüst, dass mit trunkenen Augen in die Vergangenheit blickt. Dennoch die Huldigung des Autos als heile Welt kommt etwas peinlich um die Ecke und nervt ein wenig. Danach wird es besser. Sogar richtig gut. “Das Feuerwerk ist vorbei” ist ein Disco-Schleicher der besonderen Art. Friedrichs gibt den vergessenen Bourgeois, der nun nicht mehr klar kommt und allein auf weiter Flur ist. “Das waren Mods” sinniert über den Beginn und das Leben der Parkaträger. Hübsch angerockt mit “I Can’t Explain”-Augenzwinkern.
Superpunk laufen heiß. Gegen Ende schenken sie uns die Überhymne “Babylon forever” und alle Dämme brechen. Man hebt die Faust und knöpft sich den ersten Knopf des Button Down-Hemdes auf. Wo früher noch Wasser Marsch als Parole galt, ist nun ein Gin Fizz in deiner Heimatstadt das Maß aller Dinge und die Lösung für alle möglichen Probleme. Deine Tränen trocknen an der Bar. Mit deinen Freunden im Rücken meisterst du alles, was auf dich zugefegt kommt. Superpunk schaffen es mal wieder einfache Songs zu großen Hymnen aufzubauschen. Die Losertaktik ist ein wenig in den Hintergrund getreten. Friedrichs weiß langsam um seine Stärken. Der alte Klaubruder weiß halt, wo er wildern muss, um die Meute auf seine Bounty zu ziehen.
Die Band eiert wie gewöhnlich herum. Mynther spielt den Orgelgott und die Gitarren duellieren sich charmant wie bei einer Schülerband. Um Mädels wird sich nicht mehr geprügelt. Aus dem Alter ist man raus, denn die Top Old Boys haben graue Haare, manche sogar keine mehr, doch ihre Jugendlichkeit kann ihnen niemand nehmen und das macht sie so charmant. Wenn sich da einige Songs der letzten Jahre wiederholen, ist gar nicht so schlimm. Man muss nicht immer alles neu erfinden. “I’m not like everybody else” der Kinks bleibt halt geil. Das können auch Superpunk nicht zerstören…
Erschienen bei Tapete

4 Gedanken zu „Superpunk – Die Seele des Menschen unter Superpunk“

  1. Für Fans ein Muss, für Neueinsteiger vielleicht zu seicht. Ach Schwachsinn, die tollen Texte entschädigen für so einiges. Singt da Bernd Begemann im Background? Ja, trotzdem kaufen. bosch ist Fan, ich bin Fan! Darauf einen Gin Fizz!

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