Ariel Pink's Haunted Graffiti – Before Today

Die Phase mit Tapes, die Ariel auf seinen Konzerten verkaufte, scheint nun endgültig vorbei. 15 Jahre ist Ariel Pink nun schon im Geschäft. Gut, Geschäft ist wohl das falsche Wort. In der Umlaufbahn. Ariel hat sich mit Homerecordings eine kleine Fangemeinde erspielt, die aber auch schon mal zum Bierwerfen auf Konzerte kam, da Ariel seine Songs nur schlecht umsetzte und er mit Karaoke-Playbacks die Songs in Hitparadenmanier karikierte.
Animal Collective nahmen den schillernden Jungen aus Los Angeles unter ihre Fittiche und veröffentlichten seine ersten Singles. Ariel Pink tingelte sich ‘nen Wolf und wurde ein Geheimtipp. Doch auch nach 15 Jahren des Umherwanderns schien die Glitzerwelt, obwohl Ariel gerne mal Glitter auflegt, immer noch mehrere Welten entfernt. Nun gibt es eine Begleitband und der LoFi-Gedanke ist nach hinten gerückt. Das will er uns auf jeden Fall vorgaukeln. Die Songs werden nun groß gedacht und amtlich umgesetzt. Ariel ist aber immer noch der schlechte Crooner der Anfangstage. Er kämpft sich weiterhin durch Psychedelic-Pop der wilden Sorte, der schon mal Blubberwasser schluckt.
Große Namen wie Fleetwood Mac oder die Beach Boys werden genannt, doch Ariel mimt eher das kleine Mädchen in der Plastikwelt, dass sich die Unbekümmertheit der 70er zurückwünscht. Steely Dan ohne Überbiss. Die Brust wird frei gelegt, um einen Blick auf das Herz werfen zu können. Das Saxophon spielt dir unbekannte Hymnen nach und funkelt auf der Tanzfläche neben der Nebelmaschine. Ariel ist immer kurz vor der Selbstzerstörung. Der Messi lebt in seiner vollgestopften Bude und spult am Tag zweihundert Tapes zurück. Das nennt er dann aufräumen. Und so kommen ihm alte Schätzchen wie Roxy Music und Hall & Oates in die Finger. Immer wieder schaut er verliebt in die Vergangenheit. Der Gehrock wird zum Statussymbol.
Ariel Pink's Haunted Graffiti
Mit seiner Band Haunted Graffiti hat er mehr Kontrolle über die Songs, als er je hatte. Früher mimte er eine Band nach und verstrickte sich in Loops und Bastelanleitungen. Nun wirken die Songs aufgeräumter und Hits werden einfach mal zu Ende gedacht, nicht überfrachtet und verschachtelt. “Round And Round” ist so ein Song. Ariels Gespür für Tragik und kompositorischen Aufbau kommen nun zum Tragen. Endlich wirkt er losgelöst, kann die Atmosphäre aufsaugen und kanalisieren. Die Synthies quellen über, das Space-Echo flirrt. Die Gitarren holen sich ihr Rockabzeichen mit Hochsteckfrisur. Mit Plateauschuhen macht das Zigarettenausdrücken noch mehr Spaß.
Der Glam und die Kopfstimme werden Herr über Ariel, der natürlich auch mit Band immer noch an den Grenzen kratzt. Alles ist smooth arrangiert, so als wären die Jackson Five noch mal in dem Studio gewesen, dass nun Ariel in samtenen Hosen besetzte. Der Geist verstorbener Funkyness schwebt durch Kifferbassläufe. Die Hintergrundeffekte, das Rauschen, das Haspeln sind etwas mehr in den Hintergrund getreten. Doch nach einem kräftigen Zug am Joint, hörst du Pumuckl durch die Melodien tigern. Die Songs versuchen ohne klangliche Verwirrungen zu leben. Schaffen sie nicht. Ist wie die Luft zum Atmen. Dass es sich Ariel trotz neuer Aufgabenstellung nicht nehmen lässt, immer mal wieder zu quäken, zu jodeln oder zu schmatzen macht ihn grundsympatisch.
Durch Chill-Out-Lounges zwirbelt sich Ariel in die Softrockecke, um dem Gitarrensolo zu frönen und der Batikmode eine zweite Chance zu geben. Immer wieder stöhnt Ariel vor sich hin, während die Band die Songs noch zu proben scheint. Stimmen werden gefiltert, Pedale aus dem Fenster geworfen und Space-Rock ohne Raketenantrieb durch die versiffte Wohnküche gezimmert. Wattebäuschen werden in Körperöffnungen gestopft. Könnte ja einen interessanten Sound ergeben. Einige Songs treiben es dann doch ein bisschen zu doll. Die schnelleren Stücke langweilen ein wenig. Die smoothen, abgehangenen Songs stehen Ariel besser. Er scheint nun mit dem Aufräumen begonnen zu haben. Nur noch 30.000 Tapes müssen zurück gespult werden. Raviolidosen sind nun feistem Catering gewichen. Wir dürfen gespannt sein, ob es irgendwann nach Axe riecht. Ich glaube eher nicht…
Erschienen bei 4AD

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