Kele – The Boxer

Oje, da werden aber die Gitarrenfraktion und die kleinen Mädels in Chucks und Röhre schlucken müssen. Was macht Kele da? Darf der das? Darf der einfach das Konstrukt Bloc Party über den Haufen werfen und privaten Vorlieben frönen? Enttäuschte Gesichter werden sich kopfschüttelnd abwenden und lieber auf die neue Born Ruffians abfahren. Doch ist es nicht toll, dass ein Kurzidol, wie Kele eines ist, die Menschen spaltet? Ist nicht Popmusik dazu geboren, alles Dagewesene wieder einzureißen und neue Wege einzuschlagen? So macht Kele eigentlich alles richtig. Doch ist das auch gut? Kele Okereke macht gar nicht so viel anders. Natürlich sind die Gitarrenpowerchords Sequenzern, Synthies und Drum-Computern gewichen, doch das hatte sich ja schon angedeutet. Kele ist halt gar nicht so ein Gitarrenfuchs. Er steht schon immer auf Dancetracks und intelligente Popmusik, die schon mal den Samstagabend anzünden können. Elektronische Musik muss ja nicht immer nur von buckligen Laptopschiebern gemacht werden.
Das Drill-Sergeant-Wiederhole im ersten Stück ist noch nicht mal so unerwartet. Kele liebt doch dieses Call and Response-Gedresche. Und Überraschung! Die Achtziger sind sein Steckenpferd. Nein, das wissen wir doch. Steht ihm ja auch gut. Seine Nähe zu Größen wie Robert Smith oder Adam Ant war auch immer schon vorhanden. Also was wollt ihr alle?
Kele
Hits sind auch drauf. 2Step und Dubstep müssen keine Fremdwörter mehr sein. Der Indierock öffnet sich und Kele benutzt sämtliche Stilmittel, die in Londons Discotheken durch die Nacht flattern. Afrikanische Einschübe sind auch schon längst im Rock verwurzelt und diese knackigen Beats mit kurzen Hi-Hats sind doch schick. Alles schön in den Nachthimmel produziert von XXXchange von Spank Rock. Die Musik ist von der Aufteilung her wie bei Bloc Party. Nur sie geht durch den Dark Room und kommt mit glitschigen Oberarmen wieder raus. Schweiß macht geil.
Kele bringt soulige Background-Frauen mit, die schon mal wie im House locker das Ende zutexten und eine andere Stimmung verbreiten. Sie geben den Songs mehr Wahrhaftigkeit, Wärme und Musikalität. Ähnlich wie bei Paul Wellers Schnepfen zu Style Council-Zeiten. Dann bricht der Beat mit Störgeräuschen auf und poltert durch die Indieszene. Schön! Die ersten Biere in einem Club sind die Besten. Der Strobo lässt dein Gesicht schief aussehen und das Schwarzlicht schenkt dir alle Schuppen dieser Welt.
Keles Stimme bleibt sein Aushängeschild. Auch wenn er Schlager machen würde, diese glockenklare Stimme und diese tolle Färbung würden ihn verraten. So ist “The Boxer” ein kleines schickes Album mit prolligen Phasen und großen Momenten. Etwas gestückelt klingt es, doch einige Hits lassen den Wohnzimmerboden vibrieren. Und Pathosgott Kele singt halt fast noch schöner als auf seinen Bloc Party-Platten. Also Kids, Mund wieder zumachen und einfach mal treiben lassen! Tanzmusik für Partyhengste, denen ein neuer Anstrich nicht sofort das Weite suchen lässt. Ein Schritt ins Erwachsenwerden für Kele. Mutig!
Erschienen bei Cooperative Music

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