The Drums – The Drums

Die Sehnsucht ist stets groß. Jonathan Pierce pfeift sich durch flockige Indiepopperlen und versucht dabei den jugendlichen Metrosexuellen zu geben. Er ist jung und sein Haar ist toll. Popstars sehen so aus. Alte wie Neue. The Drums aus New York bedienen sich der Achtziger Jahre-Nostalgie und schwelgen in sommerlichen Tönen von Freundschaft und sportlichen Aktivitäten. Der Schmalz vergangener Tage liegt wie eine kleine Schneehaube auf den Songs und schmilzt in der Mittagssonne. Postpunkreferenzen werden mit schnellen Kicks aus der engen Röhrenjeans geschüttelt. Sonnenbrillen sind nun Unisex. Pierce singt und schwelgt wie ein junger, nicht ganz so trauriger Morrissey mit Bewegungen eines Ian Curtis. Gefühle werden in Verrenkungen gepackt. Die Hände singen mit.
Monotone Bassläufe bleiben immer an der Oberfläche und die käsigen Keyboards jaulen Liebeslieder. Heiterkeit und Leichtfüßigkeit sind die Punkte mit denen die Drums ihre lose aneinander geknüpften Songs schmücken. Mit einem Bindfaden werden den Songs die Zehen verbunden und immer leicht daran gezogen. Die Fußnägel sind rot lackiert und bei jedem kleinen Zug am Faden schauen die Zehen Richtung Himmel.
The Drums
Semi-Hits bauschen sich zu Perlen auf, die mit Handclaps verziert werden. Die Stimmen treffen sich auf dem Mehrzweckhallenparkplatz und veranstalten eine eigene, kleine Party mit alten Karren und Girls in echten Nylons. Freundinnen müsste man sein. Man weiß, was zählt und was einen von den Anderen abhebt. Alles ist eingängig und bleibt locker kleben. Jingle Jangle-Gitarren klirren sich mit Glöckchen und kleinen Samples durch einfache Songs, die locker den Sommer überstehen und im Winter wieder wärmen könnten.
Zärtlich umwirbt uns Pierce mit Blumen. Er schmückt die traurigen Passagen mit Hoffnungsschimmern und Sternchenaugen. Der Wave bekommt die Schminke ab und der Surfpop krempelt die Hosenbeine hoch. So entstehen lupenreine Melancholieminiaturen, die nie unfreiwillig komisch oder mit Sülze übergossen werden. “Down By The Water” ist das “Stand By Me” der Drums. Ein souliges mit Bläser angedicktes Stück Coming Of Age. Der schrille Gesang von Jonathan Pierce, der nie an Robert Smith kratzt, wie es vielleicht woanders zu lesen ist, versucht Wege aufzuzeigen, die man als Liebende wählen muss. Eine Ballade für Schüchterne. Die Drumloops, die immer wieder die Hallräume verlassen untermauern das Karge der Produktion.
Die Drums sind das neue Gesicht New Yorks. Schlicht mit Sommersprossen und bunten T-Shirts ohne nennenswerten Aufdruck. Ein schönes Debüt und ein tolles Mitbringsel. “If you fall asleep down by the water / Baby I’ll carry you all the way home.” Der Kutscher hat gesprochen und wirft den Motor an. “And if a double-decker bus crashes into us…” Frisch und altbacken zugleich. Lass den Hype Hype sein und mach dir dein eigenes Bild!
Erschienen bei Moshi Moshi

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