Pernice Brothers – Goodbye, Killer

Harmonie ist das Zauberwort! Die Béchamelsauce das Topping. Die Pernice Brothers lutschen die alten Drops und riechen nach Sonnenmilch. Immer schön eincremen, sonst verbruzzelt deine alte weiße Haut! Nach dreijähriger Pause melden sich die Brüder um Joe zurück. Der Mix ist gleich geblieben. Immer noch tragen die Songs die schönsten Beatles-Stoffe und auch Brian Wilson bleibt der Ausgangspunkt für großangelegte poppige Klänge. Warum sollte man auch was ändern? Einmal Fan, immer Fan! Doch die Pernice Brothers loten nun schon mal gerne den Neo-Country aus. Haben sie früher auch schon mal gemacht, doch hier steckt der Teufel im Detail. Ohne den Cowboyhut zu tief ins Gesicht zu ziehen, versuchen sich die Brüder der Farmerromantik mit der Neil Young-Keule zu nähern. Die Songs kommen wie ein angebeteter Schwarm um die Ecke und man wird sofort rot. Werde ich es heute schaffen ein Gespräch zu beginnen? Kann ich meine Handynummer auswendig? Oder muss ich peinlich unter “Eigener Nummer” nachschauen, wenn ich danach gefragt werde?
Alles ist schön und zeigt Joes Melodieverständnis. Gelernt ist gelernt. Joe könnte nachts geweckt werden und er hätte eine Idee, was auf C-Moll folgen könnte. Die Gitarre perlt und strotzt nur vor Unbeschwertheit. Die Liebe steht im Mittelpunkt. Wo soll sie auch sonst stehen? Das Banjo quietscht und ein Jahrmarktorchester spielt den Rumpelmarsch.
The Pernice Brothers
Der Gitarrenpophimmel hängt voller Geigen und die Jungs schieben ihre Midtemposchunkler in die nächste Strandbar. Doch Surfer sind weit und breit nicht zu sehen. Nur ältere Menschen, die nach einem Strandspaziergang ein kaltes Bier im Stehen genießen. Die Gitarren umgarnen sich und Joe singt verliebt wie ein Schuljunge. Uncool. Zwischendurch kommen einem die Songs wie kleine Geschwister von Jeff Tweedy vor. Brillanter Pop, der auch schon mal die plärrende Gitarre aus dem Koffer holt, doch auch wie bei Teenage Fanclub bleibt der Schöngeist der Byrds das Maß aller Dinge. Die Stimmen schwingen sich zweistimmig durch die lässigen Akkordfolgen. Disharmonie sucht man vergebens. Alles fein arrangiert und schön platziert. Jeder Daddelteil, der mal das Solo unterstützt wird mit frischen Blumen beworfen. Die Pernice Brothers bleiben Könner und Oberlehrer. Ihr Independent-Ansatz trieft voller Tränen und Herzblut.
Joe klingt mehr nach McCartney als nach Lennon, das wird die Mädels freuen, doch die Jungs wünschen sich manchmal etwas mehr Zynismus, obwohl bei genauerem Hinhören wäre gar kein Platz mehr für augenzwinkernde Ausbrüche. Überall singen die Instrumente ihre Parts und kauen rosa Zuckerwatte. Doch da, Achtung eine kleine Überraschung! Dunklere Töne werden angerockt. Der Gesang steigt in die Kopfstimme. Klingt fast nach einem gut aufgelegten J. Mascis mit kurzem Haar. Die Pernice Brothers bleiben eine Rockband mit großem Popperherz, viel Muckergehabe und tollen Songs. Manchmal klebt einfach zu viel Kaugummi unter den Tretern, doch insgesamt eine schöne, fluffige, altmodische Platte, die ihre Helden zitiert und huldigt. Für die Einen zu langweilig, für die Anderen das I-Tüpfelchen auf einer Kaffee und Kuchen-Sause. Nett, aber ihr wisst, nett ist die kleine Schwester von…Genau Joe!
Erschienen bei Ashmont Records/One Little Indian

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