Kelis – Flesh Tone

Kelis macht was, das man nicht erwartet hat. Sie geht den Popweg mit schielenden Augen, die ihr den Dancefloor in bunten, flirrenden Farben präsentieren. Dort, wo die Vollidioten mit Gin Tonics stehen und einen Blick auf ihre Hotpants erhaschen wollen und prollig ihre Polohemdkragen hochschlagen. Alte Kelis-Fans werden übel aufstoßen. Ist das noch unsere Kelis oder nur ein mieser Trick?
Steckt Lady GaGa in der Afropuppe? Der Bass pumpt dir die Eier weg und alles zwiebelt und klatscht. Piep, Piep. Für die Doofen wiederholen wir alles schön oft. Eine Steigerung gibt es noch dazu, damit die Teenies, was zu kreischen haben. In Fachkreisen die Rakete genannt. Erdkundeunterricht gibt es gratis. Spanien liegt am Meer, Frankreich aber auch. Ibiza für den Pauschaltouristen. Mensch, von diesem Weißbrotfrühstück bekomm ich Durchfall und warum essen diese Spanier nicht Wurst am Morgen? Die Bettenburgen lassen Federn. Heute ist Wet-T-Shirt-Contest und die geilen Bochumerinnen zeigen ihre Möpse. Oh, schön diese Piercings!
David Guetta steckt hinter der Schießbude und gibt Kelis diesen Sommeranstrich, der ihr beschissen steht. Alles auf Autotune, auf die gerade Zwölf, auf die Motorhauben und Schaumparties dieser Welt. Four To the Floor. Und es ist glatt da draussen. Kelis legt sich voll auf’s Maul. Es gibt kein Songwriting, keine nachvollziehbare Idee, keine Hook. Alles prügelt stumpf mit dem Strom. Auch Eierköppe wie Benny Benassi oder Boys Noize vergewaltigen Kelis Stimme, die nur schnödes Beiwerk ist, um die Tracks kurz aufzuhellen. Als Instrumentals würden die Dumpfbacken-Songs erst recht nicht funktionieren. Kelis hat nichts mehr zu sagen. Die Texte sind strunzdoof.
Kelis
Oh, was ist nur aus der Vorzeigekünstlerin geworden? Clubmusik für RTL2-Gucker. Alles mit Peitsche produziert. Dieter Bohlen hätte wohl noch mehr Sand in die Lieder gestreut, doch er bleibt lieber auf Sylt und schaukelt mit Mark Medlock um die Wette. Das ganze Gewimmer hat mit R’n’B nichts mehr am Hut. Hip Hop war mal und Kelis macht sich die Hupen größer. Mainstream für die Taschengeldbettler. Mami, weißt du nicht wie teuer heutzutage Bacardi-Cola ist?
Techno/House sagen die Oben Ohne-Affen. Schrott sage ich. “Acapella” nervt. Hüpfende Autos sind nicht mehr futuristisch und Goldkettchen-Jungs wohl leider immer noch unsexy. Mein Bikini bleibt im Schrank, da zeig ich lieber der Tanzgemeinde meinen nackten, behaarten Arsch, damit sie was zu lachen haben, denn Selbstwahrnehmung und Ironie sind hier fehl am Platze. Hier zählen nur der Verzehrgutschein und die Bigsize-Kondome. Angeberkacke.
Kelis, bitte hör damit auf. Wenn das Geld knapp ist, geh lieber kellnern.
Erschienen bei Interscope/Universal

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