The Melvins – The Bride Screamed Murder

Die Melvins melden sich zurück. Was hat sich verändert? Die Drums breaken sich ins Delirium, die Gitarren zerfetzen jede noch so schnittige Jeans und die Tempowechsel bleiben erneut unverwüstlich. Trotzdem gibt es auf “The Bride…” einige Neuigkeiten zu entdecken. Hemmungslos werden die Genres gewechselt, um den eigenen Kosmos zu unterfüttern.
Der Gesang von Buzz hat noch mehr diese Mischung aus Gospel, Armydrill und Metalphrasierung. Im Starter “The Water Glass” bleibt Buzz Stimme mit den Drums alleine. Auch bei “Pig House” gibt es ein afrikanisches Tänzchen, dass von der Kuhglocke aus der Trance gerissen wird. Doch die Melvins wären nicht die beste Band der Welt, wenn sie nicht ihren Valium-Metal in neue Richtungen schieben würden. Immer wieder grinsen traumhafte Popverweise durch den Brautschleier. Wir wissen, was das bedeutet. So müssen The Who ihre Generation hergeben und die bösen Heiratsschwindler machen daraus eine langsame und krude Trauerveranstaltung. Die Orgel dröhnt den Trauermarsch und Buzz lächelt diabolisch als er die Braut zum Altar führt. Man kann so oft heiraten wie man will. Vor Gott sind alle Schäfchen geschoren. Fürbitten dengeln durch die Distortionkapelle.

The Melvins

Die Kopfstimme in “I’ll Finish You Off” macht einem Angst. Ein Zuckerschlecken ist es wohl nicht, an der Seite der Haudegen zu leben. Die Riffs fliegen mit gestärkter Brust durch den Todestempel und bringen nur die Hitze der Sonne mit, nicht deren Strahlkraft und Sonnenbrillencharme.
Das 15. Studioalbum hievt die Melvins auf einen noch höheren Sockel. Für die Nerds: Ja, es gab auch noch Minialben, Zusammenarbeiten und Compilations. Locker bleiben!
Die neuen Acapella-Teile ziehen dir die Socken aus. So hast du die Melvins noch nicht gehört. Moshing gehört natürlich immer noch zur Grundausstattung, doch auch “Hospital Up” hat diese schöne Linie, der auch wildes Gewirbel nicht den Schönklang und die geile Atmo nehmen kann. Buzz zaubert traumhafte Sequenzen in die Risse. Geheimnisvolle, geisterhafte Vocals mischen sich mit Härte und Wahnsinn. Die Melvins sind zurück und huldigen natürlich KISS und entreißen deren Masken. Darunter guckt nur der Knochen durch. Die Haut ist von soviel Schminke ganz porös geworden.
Auch das verjazzte Klavier und die Mike Patton-Geräusche können nicht das kaputt machen, was die Melvins seit Jahrzehnten abliefern. Langeweile kommt nie auf. Dafür sorgen Stomper wie “Inhumanity And Death”. Die Gitarre zwiebelt und mosht dir die letzten Haare von der Birne. Was für eine Scheibe! Killer. Die Melvins überschreiten ihren Höhepunkt zum zigten Mal. Tantra halt…
Erschienen bei Ipecac

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.