Frank Bretschneider – EXP

Die Klänge des Mechanischen, der Elektrizität und des Magnetismus greifen an. Von allen Seiten springen sie wie entfesselte Knalleffekte durch den dunklen Raum, entlassen ihre akustischen Wirkungen mit großer Wucht und in kurzen Momenten in ihre Umgebung. In Blitzen erhellen sie stichpunktartig den Raum. Es entsteht ein rhythmisiertes elektrographisches Feuerwerk.
Wie so oft bei Veröffentlichungen aus dem Hause Raster-Noton ist die Dynamik der Klänge überwältigend. Die ultimative Aggressivität und Direktheit elektronischer Musikproduktion hat mal wieder ihre Schmiede gefunden.
Frank Bretschneiders neue Veröffentlichung „EXP“ fasst insgesamt 35 durchschnittlich einminütige Miniaturen abstrakter elektronischer Musik zusammen. Deren Entstehung ist laut Infotext auf verschiedene ausgewählte elektrische bzw. elektronische Phänomene zurückzuführen. Impulse, Einstreuungen, Rückkopplungen und nicht näher benannte Klänge, die im Zusammenhang mit mechanischen und magnetischen Ereignissen stehen sind hier der kompositorische Ausgangspunkt. Das allein wäre kein Novum, sind doch ähnliche Konzepte seit Clicks & Cuts, seit Kid 606, Pole und vielen Anderen etabliert.
Erst durch den zweiten Teil wird Bretschneiders Album zur besonderen Veröffentlichung. Eine weitere CD enthält die Visualisierung der ersten 20 Tracks des Albums. Seit einigen Jahren setzt man sich mehr und mehr mit dem Thema Synästhesie auseinander, zuweilen wurden gar Lehrstühle eigens dafür eingerichtet. Heraus gekommen ist hier ein gelungene musikalische Videographie, wie ich sie mir als Richtschnur für die Gestaltung eines modernen Physiklehrbuches wünschte. Ein auf Synchronizität angelegtes Opus in schlichten Punktewolken, das bei Freunden der Ästhetik von naturwissenschaftlichen Darstellungen und Pflegern der ASCI-Art gleichermaßen gefallen finden wird.
“EXP” erscheint im Juni bei Raster-Noton. Hörbeispiele finden sich hier.
Video Bretschneider

0 Gedanken zu „Frank Bretschneider – EXP“

  1. nachtrag: aber es ist erstaunlich bzw frage ich mich: kommen dieses jahr extrem gute platten raus und/oder bin ich gerade etwas kritiklos oder/und bin ich gerade ziemlich begeisterungsfähig?
    weil: die frank bretschneider exp find ich auch aussergewöhnlich inspirierend. ziemliches bret! (mmuuuaaaahhh)

    1. … die Qualität einiger aktueller Veröffentlichungen ist tatsächlich bemerkenswert hoch. Insbesondere diese ist ein Genuss für alle Synästhesisten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.