Not Available: Weezer – Songs From The Black Hole (1995)

Rivers Cuomo hat ‘nen Knall. Das weiß mittlerweile jeder. Streiten kann man sich nun darüber, ob dieser Knall, der sich auch immer mehr in den letzten Weezer Alben manifestiert, nun sympathisch ist oder nicht.
1995 war das noch ein wenig anders. Da galt Cuomo als das neue Wunderkind. Das selbstbetitelte Debüt von Weezer (aka The Blue Album) war ein Hit und kam gerade rechtzeitig, kombinierte es doch Grunge mit den Beach Boys. Cheesyness mit Herzschmerz. Und wie bei so vielen Musikern kam dann die Krise, was will man nach einem solch unerwarteten Erfolg machen? Cuomo war klar, dass etwas besonderes her musste. Nicht weniger als eine Rockoper.
Das Album sollte dabei keine lose Songfolge haben. Die Tracks sollten ineinander übergehen, so dass ein großes Medley entstehe. Auch eine Story hatte Cuomo. Eine Space Rock Opera. Eine Crew von drei Jungs, zwei Mädchen und einem Roboter wollte er auf Reisen schicken. Die Reise sollte eine Analogie zu seiner noch jungen Rockstarkarriere darstellen. Angereichert wurde die Geschichte durch eine komplexe Dreiecksbeziehung. „Songs From The Black Hole“ war hierbei schon mehr als eine Idee. Bereits 1994 hatte Cuomo die meisten der Songs fertig geschrieben und eine klare Rollenverteilung aufgestellt. Der Protagonist Jonas sollte von Cuomo selbst gesungen werden. Der weibliche Gegenpart war für Rachel Haden von That Dog vorgesehen. Weitere Gesangsrollen gab es für Brian Bell und Matt Sharp, sowie bandexterne Rollen für Joan Wasser von den Dambuilders und Weezer Roadie Karl Koch als Roboter M1.
Doch wie so oft wurde Cuomo von Zweifeln geplagt und es schien, dass er sich mit dem ambitionierten Projekt übernommen hatte. Zwar nahm er während einer Tourpause in Hamburg einige sehr gute Studiodemos diverser Songs für „Songs From The Black Hole“ auf, doch die Arbeit verlangte mehr Zeit als da war. Langsam musste ein Nachfolger zum Erfolgsdebüt her und man entschied sich im Alleingang „Pinkerton“ zu produzieren. Interessant hierbei ist, dass „Pinkerton“ trotz des persönlichen Charakters auf viele Songs des mittlerweile verworfenen „Songs From The Black Hole“ zurückgriff. „Tired Of Sex“, „No Other One“ und „Getchoo“ schafften es mit nur geringen Änderungen auf „Pinkerton“.
Auch lässt sich das prägnante Riff von „El Scorcho“ in den Demos von „Songs From The Black Hole“ wiederentdecken. Weitere Stücke wie „Devotion“ und „I Just Threw Out The Love Of My Dreams” schafften es als B-Seiten, Cuomos Ruf als exzellenten Songwriter zu unterstreichen.

„I Just Threw Out The Love Of My Dreams” übernimmt hierbei eine Sonderstellung, ist es doch der Song, der am komplettesten von allen „Songs From The Black Hole“-Stücken ist. Den Leadgesang der Laurel übernimmt bereits Rachel Haden und Cuomo singt nur in der letzten Strophe mit. Auch ist der keyboardlastige Power-Pop Sound zu erkennen, der Cuomo für seine Rockoper vorschwebte. Wo wir auch bei den Theorien wären, warum diese nie fertig gestellt wurde. Zum einen gab es da den Zeitdruck und den eigenen Anspruch, der sicherlich eine Rolle spielte. Man denke da nur an die lange Durststrecke und die Gerüchte nach „Pinkerton“. So soll Cuomo seinen ganzen Besitz in dieser Zeit verkauft haben und sein Studentenzimmer – er begann ein Harvard-Studium – komplett schwarz gestrichen haben, um sich nur noch der Meditation zu widmen.
Andererseits wurde später klar, dass die Rollenverteilung innerhalb Weezers nicht so eindeutig war, wie früher angenommen. Bassist Matt Sharp verließ irgendwann die Band und verklagte später Cuomo auf Tantiemen an Songs, die er angeblich mitgeschrieben hätte. So soll Cuomo auch von der Rockoper abgekommen sein, als Sharp 1995 mit seiner Band The Rentals „Friends Of P“ veröffentlichte. Auf diesem Album nahm nicht nur Rachel Haden einen entscheidenden Part bei den Leadgesängen ein, auch der Sound soll genau der gewesen sein, der Cuomo für „Songs From The Black Hole“ vorschwebte. Hört man „I Just Threw Out The Love Of My Dreams“ im direkten Vergleich mit dem Rentals-Debüt, so scheint dies nicht unwahrscheinlich.
Letztendlich ist es dennoch eine Schande, dass das Werk nicht fertiggestellt wurde. Viele der Demos erschienen auf Cuomos Demo-Compilations „Alone I“ und „Alone II“ und einer breiteren Öffentlichkeit wurden die Songs damit zugänglich. Fans und Kritiker waren sich schnell einig, „Songs From The Black Hole“ wäre ein grandioses Album geworden. Ein Meilenstein, wenn nicht gar ein Meisterwerk. So bleibt nur ein Mythos, wenn auch ein grandioser.

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