Darwin Deez – Darwin Deez

Darwin Deez hat die Haare schön. Der New Yorker wirft auf seinem Debütalbum mit Strokes-Gitarren um sich. Es knallt schon mal. Nicht nur im Karton. Die Bad Taste-Party ist deine Liebste und du sammelst das ganze Jahr Utensilien, um wieder den Hauptpreis zu ergattern. Deine Gitarre begleitet dich überall mit hin und wenn du eine kleine Idee hast, wird sofort in die Saiten geschlagen und ein Song draus. Quer durch die City. Auch wenn die spitzen Gitarrenläufe des öfteren das Taxi verpassen, geht der Dauerlauf durch die Innenstadt weiter. Zu Fuß kommt man schneller durch und Geld wird auch gespart. Und die Umwelt erstmal. Sie bedankt sich artig. Man muss an die Zukunft denken. Oder an die nächste Hook.
Die Rhythmusbox ploppt und hält die Indie-Welt zusammen. Darwin ist immer auf der Suche nach der großen Geste mit Strickmütze. Jede noch so tighte Idee wird mit Slackertum und Kleingeisterei veredelt, wenn nicht sogar ausgelöscht. Das bremst manchmal ein wenig, hat aber auch sommerlichen Charme. Darwins Stimme hat diese Unbekümmertheit und das Timbre des Versuchs ein Sänger am Rande der Legalität zu sein. Darwin versucht erst gar nicht schön zu singen. Für ihn zählt der Moment, der Ansatz, der Kick des Storytellings und des Understatements. Coolheit als Ausdrucksmittel.
Zwischen all dem Gegroove gibt es kleine Perlen zu entdecken, die schon mal mit Phoenix durch Versaille schlendern, um beim nächsten Augenaufschlag wieder durch Brooklyn zu kriechen, um die Nabelschnur durch den Dreck zu ziehen. Die Gitarre plärrt und lässt keine Sahne zu. Kondensmilch wird verrührt und der Löffel steht. Darwin Deez hat Mitmusiker um sich gescharrt, die nur dann dem Meister zur Hand gehen, wenn dieser ihnen den Lockenstab reicht. Der Rock bleibt unrockig, tendiert eher zu pfundigen Ausflügen, die dem Funk schon mal den Knarz geben, so als hätte das Radio einen Sprung. Darwins Stimme fliegt mit dem Verzerrer über Riffs, die nur auf dem Wohnzimmerteppich erfunden worden sein können. Alles ist laut gemischt. Alles bimmelt und Darwin bewegt sich schleichend durch die Rocklandschaft, die vor lauter Hippietum nur in die Hände klatscht und auf das Stirnband wartet, um das wilde Haar zu bändigen.

darwin deez

Darwin Deez ist eine coole Socke. Etwas löchrig in der Mitte, doch der Stoff reicht, um den Sommer zu überstehen, denn jeder weiß, dass man in Espandrillos keine Socken trägt. Im Winter könnten die Löcher aber zu groß geworden sein und der kleine Zeh guckt durch die Fasern. Etwas mehr Spießigkeit wünscht man sich. Mehr Mut zu Großspurigkeit und Dramatik, weniger Berlin-Mitte-Schnörres, mehr glattrasierte Achseln. Die Hippies lassen das Mausern nicht und Grizzly Bear haben Darwin das mit dem Folk erklärt, doch er scheint nur mit halbem Ohr zugehört zu haben.
Wenn man böse sein will, spricht man von einem zugereisten New Yorker, der versucht Coldplay zu covern, doch immer wieder Brian Eno mit Julian Casablancas verwechselt. In jedem Spucknapf lässt Darwin ein Tröpfchen. Wenn man das dann zusammenkippt, bleibt nur eine zu flüssige Masse. Ihm fehlen diese dicken, grünen, schleimigen Dinger, vor denen du dich ekelst.
Erschienen bei Lucky Number/Rough Trade

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