Masayoshi Fujita & Jan Jelinek – Bird, Lake, Objects

Werden die Töne in langsam verhaltener Bewegung durch den Raum getragen? Oder treiben sie unbestimmt und einzig den Gesetzen der Akustik folgend, durch das leicht gedämpfte Aufnahmestudio? Vielleicht werden sie auch von einer Welle getragen? Einer Welle der Geborgenheit. Oder sie schwimmen, auf Oberflächen und mitten im Aspik.
Sie schwimmen, schwappen und brechen sich, branden hier und da an. Sie reflektieren, interagieren und changieren. Sie wabern, brodeln und brummen kreuz und quer, hin und wieder zurück. Und sie greifen dabei sogar vereinzelt Umweltgeräusche auf, die gerade vorbei geweht wurden. Umweltgeräusche als Anhaftungen an Instrumentalarrangements. Möglicherweise eine Feuerwehrsirene und ein Knacken. Grave, gravis, Gravitation. Erdung durch Einstreuung. Dein Ton wird Heimatkunde.
Das Resultat der Kollaboration zwischen den Berliner Musikern Jan Jelinek und Masayoshi Fujita ist im März auf Jelineks eigenem Label Faitiche erschienen. In den Linernotes zum Album lesen wir, dass des Vibraphonisten Masayoshi Fujita liebster Begriff in der deutschen Sprache das Attribut „getragen“ sei. In der Tat transformiert “Bird, Lake, Objects” Getragenheit durch Verwaschenheit zu Geborgenheit. Das Album zeichnet sich durch eine Stimmung der Geborgenheit, ja Versöhnlichkeit aus, wie sie einst nur Jörg Follerts Album „Wunder“ stärker evozierte. Hier allerdings übertragen in ambiente Klangstrukturen.
In reduktionistischer Zweispurtechnik wurden Vibraphon und alle weiteren Klangereignisse aufgenommen. Nebengeräusche sind als Variablen nicht nur in Kauf genommen worden, sondern scheinen auch erwünscht gewesen zu sein. Das Ergebnis der Improvisationen des Duos beeindruckt durch dichte und gemessen variierte weiche Klangschichtungen. Die anschauliche Wirkung gelungener Vibrationen. Schließlich wird die periodisch wiederkehrende, geringfügige Veränderung der Frequenz eines gehaltenen Tons als lebendig wahrgenommen.
“Bird, Lake, Objects” ist im März bei Faitiche erschienen.

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