We Have Band – WHB

Diese stumpfen Bürojobs nerven. Und die Kollegen erst. Plattenfirmenjobs sind das Schlimmste. Schülerbands fordern horrende Summen und nur Bloc Party bekommen die Lorbeeren. Da häng ich doch lieber im Proberaum rum und bringe Pfand zum Kiosk. Thomas und Darren waren zwei EMI-Sesselpuper, doch dieses Scoutdasein, und das Betteln in den Chefetagen schienen ihnen nicht mehr zu genügen. In London schreit doch jeder Indie-Möchtegern nach neuen Sounds und Songs. Denen geben wir Futter. Frag mal deine Frau Dede, ob sie auch mitmacht? So entstand We Have Band.
Die Soundvorstellung war auch direkt klar. Wir wollen auf den Dancefloor der angesagtesten Clubs. Wir lieben Depeche Mode und diese Synthiemelodien, die dich zappeln lassen. Die Beats kommen aus der Konserve und Hymnen werden wiederholt, so als hätten New Order nie das Parkett verlassen. Retro? Ja. Wie schon tausendmal gehört fliegen dir 80er-Bass und Trommelschlag um die geschundenen Ohren. Parolen sind eindeutige Aussagen und das Gehüpfe führt zu Delirium.
Der Gesang schneidet sich. Jeder bringt seine Gefühlswelt zum Ausdruck. Geteilt werden nicht nur die Maschinen, auch die Schlagstöcke. Sie wirbeln über E-Pads, einer Snare oder reichen als Taktstock. Die Kuhglocken wurden den Fine Young Cannibals geklaut. “You Take Me Out This Way.” Klare Strukturen und Disco-Rock für den Feierabendverkehr. Die Clubs wollen schwitzen und die Tänzer lieben den Geruch des Nebenmannes und suhlen sich im Neonlicht.
We-Have-Band
We Have Band bringen alles auf den Punkt. Leider sind nur die Singles wirklich überzeugend. Der Rest wurde drumrum gebaut und flacht nach einer Weile ein wenig ab. Für’s Auto eine gute Achterbahnfahrt. Für zuhause dann doch nur Skipqualität.
Wo Hot Chip sich das Muckertum krallen, sind We Have Band sich des Eintagsfliegenlebens bewusst. So wird schnell auf die Zwölf gehauen. Wir sind gekommen, um zu tanzen. Und wenn es für eine Nacht ist. Genieß dein Leben, jeden Rausch, jeden Fehltritt. Alles, was die Zeit der Schulterpolster ausmachte, wird in die Songs geprügelt. Ob die Songs so viel Input aushalten? Nein, leider nicht. Dafür ist das Grundgerüst immer zu ähnlich gestrickt und man wünscht sich einen Abbieger oder einen Zerstörer. Das im Kreisfahren macht schwindelig. Dedes Sprechgesang ist da nur Staffage, sie bringt auch nur kurz Zickiges ins Retrokostüm. Nett anzuschauen, doch irgendwie billig und blöd.
“Oh!” und “Honeytrap” fallen aus dem Rahmen und zeigen We Have Band in der größtmöglichen Auflösung. Doch zwei Songs machen noch kein Album. Auch “Divisive” verströmt nur altbekannten Calvin Klein-Duft, der aber so was von schmierig riecht, dass einem kurz sogar Londons Billig-Tussen gefallen. Fish And Chips für die Bauchnabelpiercing-Generation. We Have Band werden wohl wieder andere Bands begutachten müssen und ihre Jobs zurück fordern. Schade. Nicht jeder ist zum Popstar geboren. London hilft da auch nicht immer. Macht sich gut im Reisepass, aber noch keinen Sommer. Der Grabdeckel der 80er fällt zu und We Have Band haben noch ihre Finger dazwischen. Aua!
Erschienen bei NAIVE

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