Ellie Goulding – Lights

Wenn dich ein Stimmen-Effekt aus den süßesten Träumen holt. Wenn dich der treibende Beat morgens zu den Tennissocken greifen lässt. Wenn du Lust verspürst am Kiosk nach Bluna zu fragen, mit dem Wissen, dass der Verkäufer nur mit den Schultern zucken wird. Wenn du morgens schon die Abendplanung gemacht hast, ohne irgendwen darüber informiert zu haben. Eine SMS wird schon genügen. Die Disco beginnt in deiner Vorstellung. Dein Deo versagt. Die Mädels tragen diese geilen Schweißbänder und tanzen in diesen American Apparel-Schimmerklamotten. Du fühlst dich jung und frei.
Twitter ist dein Steckenpferd. Du liest Ashtons und Paris’ Tweets wie andere Moby Dick. Jeder Gin Tonic wird zur Offenbarung. Dann bist du in der Welt von Ellie Goulding oder in der Welt ihrer Produzenten, wie man es auch nimmt. Chartsplatzierungen sind gut für den Geldbeutel, wenigstens war das früher einmal so. Heute geht es eher darum, einen Flop von einem Überknaller zu unterscheiden. So die Macher. Musikliebhaber lassen sich nicht von Nummer 1-Nummern blenden.
Die Singer-Songwriterin aus Hereford bekommt alles auf den kleinen Bauch geschrieben. Mit Plaka-Farbe wird eine “Single” darauf gemalt und als Umrandung die Wörter “Der Rest oder eine zweite Single“”. Die Produzenten wissen, dass nach La Roux nun die halbe Welt nach neuen 80iger Tönen giert. Doch der Bodennebel lässt viele dieser Produktionen stolpern. Auch Ellie Goulding verheddert sich im Gummi-Twist. Sie bringt eigentlich alles mit, was man von jungen Dingern in der Pop-Welt erwartet. Sie sieht gut aus, hat eine prägnante Stimme und ein Gespür für Timing. Doch das Klappergerüst, dass um sie rum gebaut wurde hat einige lockere Streben. Überall kleben halb gekaute Hubba Bubbas und Ellie trampelt gedankenverloren hinein. Nun tritt sie auf der Stelle. Sie klebt einfach fest. Da müssen die Produzenten den Effekte-Koffer rausholen, um den Totalabsturz zu verhindern.

ellie goulding

Diese Kühle, die La Roux ausmacht und das Spiel mit der Darstellung einer Sängerin in der Glitzerwelt, das Androgyne kommt für Ellie nicht in Frage. Sie spielt lieber die DSDS-Gewinnerin mit verschmitztem Lächeln. Schade! Eigentlich wäre Potenzial da. Vielleicht sollte man diesen großen Pomp einfach wegschneiden und Pianonummern mit akustischen Gitarren als neues Ziel anvisieren. Der Tanztee in der Kinder-Disco mit Luftschlangen und Topfschlagen haut noch nicht mal die Zielgruppe um. Die Zielgruppe steht eh schon längst auf Lack und Leder.
Ellie Goulding fällt aus ihrer Zeit und ist trotzdem ein typisches Fallbeispiel. Sie verliert leider ihre Unschuld schon auf der ersten Fummelparty. Die bösen Produzenten haben einfach gierig nach Lorbeeren gelechzt und benutzen Ellie als Rammbock. Sie hält ihr hübsches Gesicht hin und holt sich die Watschen ab. Billo-Beats, Billo-Refrains, Billo-Dramatik. Die Midtempo-Nummern sind am Schlimmsten. Da zeigt sich das nicht vorhandene Fingerspitzengefühl der Hintermänner. Sie werden zu unangenehmen Fillern, die nur durch Weiterskippen an Grauen verlieren. Bei jedem Hören von “Lights” sieht man “The Dome” mit den kreischenden Kids, die aber nur auf Menowin Fröhlich warten und Ellie schnell von der Bühne kreischen. Hätte Lust Amnesty einzuschalten. Eine Frechheit. Ellie, ich hol dich da raus.
Erscheint am 14. Mai bei Polydor/Universal

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