Hole – Nobody's Daughter

Ob da nun Hole drauf steht oder nicht. Courtney Love meldet sich zurück, als wäre nichts passiert. „Nobody’s Daughter“ wurde immer wieder angekündigt und verschoben, doch nun liegt das Album in meinem Player. Und? Courtney singt immer noch so. Sie jault, flucht, leiert, schreit, frotzelt und miaut. All der Müll der letzten Jahre, jede Schönheits-OP oder Fress-Flash sind vergessen.
Jede Diät umsonst gemacht. Jedes Kötzerchen unnötig. Drogen sind Schnee von gestern. Gut, so ein bisschen noch, um auf Grunge-Bitch zu machen. Die Dauerwelle wächst so langsam raus und die gemachten Boobs hängen, doch der Gitarrengurt und das Prinzessinenkostüm passen noch. Das Songwriting liegt ihr im Blut. Dialyse. Courtney benutzt jeden ihre bekannten Akkorde, um das Album mit Songs zu füllen. Eric Erlandson hat sich schnell aus dem Staub gemacht. Er wollte noch schnell sein Gesicht wahren und den Namen schützen, doch Love war stärker. Nun darf also in großen Lettern „Hole“ auf dem Cover stehen.
Courtney sucht den Kontakt, sucht die Charts, sucht das Autoradio. So ist „Nobody’s Daughter“ eine durchwachsene Altherren-Grunge-Platte. Die Songs eiern straight durch, so dass man oft den Überblick verliert und man nicht mehr weiß, ob das nicht doch „Garbage“ sind. Courtney Love scherte sich nie um Trends, doch sie hätte ihre verjüngten Öhrchen doch mal in andere Produktionen stecken können. Ein Songwriting-Seminar, um mal neue Akkorde, Tempi oder Effektgeräte kennenzulernen hätte auch hilfreich sein können.
Die Rickenbacker schlotzt, der Fuß bleibt auf der Monitorbox. Jeder Blick unter Courtneys Rock bleibt unvoyeuristisch. Der Teufel sitzt im Detail. Das denkt Courtney, doch die Details bleiben hinter lausigem Stoner-Rock zurück. Die Asi-Disco bekommt neue Perlen. Der Headbanger ohne Haare seine stumpfe Girlie-Parade mit sich wiederholenden Hooklines. Schnell ist man am Ende, schnell wünscht man Love eine neue Basis, eine neue Lebensaufgabe. Ein Film könnte helfen. Ihre Schauspielausflüge waren doch gar nicht so übel.

 Hole Courtney Love

Die Akustikgitarre bringt dir Courtneys Sofa näher, doch die ganzen Flecken wollen dich nicht sitzen lassen. Zu viele Drecksspatzen sitzen auf der Garnitur und lauschen den immer gleichen Songs. Ob Courtney zufrieden ist? Die Skandalnudel bringt sich wieder ins Gespräch, doch es wird wohl ein sehr einseitiges. Die Festivalbühnen werden sie lieben. Vielleicht gibt es ja ein Treffen mit Peter Doherty. Wäre auch ein hübsches Pärchen und er könnte mal zehn Songs für sie raushauen, dann wäre vielleicht doch noch mal alles gut gegangen mit dem Comeback.
So bleibt „Skinny Little Bitch“ eine müde Single mit schönen Kraftausdrücken. Der Titeltrack ein Schleicher mit Distortionpedal, mit schon tausendmal gehörtem Chorus. “Samantha” schiebt sich durch die vom Türsteher bewachte Tür und trägt die Krone mit Stolz. Der beste Song des Albums mit schönem Proll-Chor und Foo Fighters-Stadionrock. „For Once In Your Life“ hat diesen Midtempo-Damenbart, der dich noch nicht mal traurig macht, obwohl Courtney alles versucht ihn mit der Pinzette zu entfernen. Und die als zweite Single angekündigte Nummer „Pacific Coast Highway“ verbeisst sich an der vier Akkord-Regel. Ein Auftritt bei Oliver Geissen ist da fast schon gebucht.
Ihr Taschentuch ist voller Blut. Das Näschen hält nicht mehr viel aus. Jeder Brief an Gott bleibt ungehört. Jedes kratzige Flehen verebbt in einer Bierlaune. Hole werden schnell wieder vergessen sein. Die Kids werden mit Omi Courtney nicht viel anfangen können. Und wir Holzfäller geilen uns lieber an Lady GaGa auf. Pech! Trotzdem einen Whisky-Cola trinke ich auf Courtney und trage dazu die Schönheitsköniginnen-Scherpe meines Abschlußballs und träume von Malibu…
Erschienen bei Island/Mercury

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