MGMT – Congratulations

MGMT sind keine Weicheier. Sie tragen weiterhin die Haare zur Palme und retten das bittere Popgeschäft mit all seinen Erwartungshaltungen. Nach dem überall hoch gelobten und tot-gedudelten Debüt „Oracular Spectacular“ war das Tanzvolk gespannt. Was haben die Jungs noch auf dem Kasten? Werden wieder große Indie-Hits aus den Batik-Tüchern gepresst? H&M wartet schon länger auf neue Beschallung. Die Umkleidekabinen wurden für psychedelische Orgien genutzt. Zur Zeit sind da aber nur die Röhrenjeans-Muttis mit schlechten Robbie Williams-Tattoos. Nachschub muss her. Die beiden New Yorker lassen sich nicht lange bitten. H&M atmet auf. Endlich kommt wieder Farbe ins Spiel.
“Congratulations“ beglückwünscht sich selbst. Das ist wohl das Einzige, was man den beiden Spinnern vorwerfen könnte. Ein wenig selbstgefällig kommen die neuen Psycho-Tracks daher. Mit geplanter Absicht werden einigen Hooks die Flügel gestutzt, um ihnen nicht den Ausverkauf andichten zu können. Natürlich gibt es auch Hits, die sich in den Vordergrund schieben und nach Airplay lechzen. Doch immer kommt der Holzhammer und ein Tempowechsel oder ein Quängel-Part dazwischen, um ernst genommen zu werden. Doch wenn die akustische Gitarre perlt und John Lennon durch die Brille guckt, ist man schon wieder kurz beruhigt, um im nächsten Moment über Grill-Abende mit den dusseligen Becks-Freunden nachzudenken.
mgmt
Das Mammut-Stück „Siberian Breaks“ baut sich gleich mehrere Stimmungen auf. Ein Sprechteil wird weggeorgelt. Steigerungen sind immer möglich. Die Becks-Freunde schauen verdutzt. Wo ist denn nun der Gassenhauer? Wo bleiben das Glücksgefühl und der Sommerhit? Ja, MGMT haben einen anderen Weg gewählt. Sie wollen lieber experimentieren und die Indoor-Spielplätze werden mit Sonnenstrahlen befeuert. Draußen wartet der Yeti. Jeder Weichzeichner hätte Spaß am kindlichen Treiben der Buben. Der Proberaum ist die weite Welt.
“Siberian Breaks“ hat diese gewisse Nerd-Attitüde, die einem schon mal einen Porno-Balken wachsen lässt. Mädels tanzen Oben Ohne durch den Sand und du verprügelst diesen Becks-Idioten nun zum zweiten Mal, doch er will immer noch nicht verstehen. Wie kan man auch nicht wissen, wer Brian Eno ist.
Deine weisse Leinenhose sieht aus wie die von Klaus Kinski in Cobra Verde. Deine Nachbarn fragen, ob das die Flaming Lips sind und du würdest gerne mit: “Nein, die Beatles!“ antworten. MGMT sind zurück und verdaddeln sich schon mal, doch das ist nicht so schlimm. Die Songs besitzen alle Potenzial und du spürst bei jedem Hören, wie sie wachsen und gedeihen. Du pinkelst auf einige Tracks und am nächsten Morgen liegen sie dir in den Ohren. „Congratulations“ bietet dir den Sommer mit all seinen Facetten. Und ein Sommerregen gehört auch schon mal dazu. Und danach riechen deine Klamotten immer so komisch.
Erschienen bei Sony Music

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