To Rococo Rot – Speculation

Nicht Yin, nicht Yang, nicht Gnade, nicht Ungnade, nicht Meer, nicht Wüste, nicht Sehne, nicht Korn, nicht Schicht, nicht dicht, nicht feminin, nicht maskulin, nicht hermaphroditisch, nicht apodiktisch, nicht atmend, nicht tot, nicht spielerisch, nicht wissenschaftlich, nicht politisierend, nicht spirituell, nicht untot, nicht affirmativ, nicht negativ, nicht provokativ, nicht kontemplativ, nicht von vorn, nicht von hinten, nicht angetrieben, nicht abgebremst, nicht Furche, nicht Tempel, nicht Tunnel, nicht Tal, nicht Alge, nicht Kollektiv, nicht Wolke, nicht Quarz, und schon gar nicht mal Quartz. Kaum Dispersion, zaghafte Statik, nicht Nichts.
Das im Februar erschienene Album „Speculation“ der Düsseldorf-Berlin-Connection To Rococo Rot gibt sich souverän in musikalischer Indifferenz. Untermauert wird diese Position durch die Mitarbeit von Krautrock-Pionier Jochen Irmler, bekannt durch die Gruppe Faust, in dessen Studio „Speculation“ aufgenommen wurde. To Rococo Rot bedienen sich in der Hauptsache bekannter kompositorischer Konventionen, wie Harmonik und rhythmischer Stringenz. Dennoch gelingt es ihnen Gegenständliches nicht zu konkretisieren, indem sie im engeren Sinn auf Motivik und Melodie verzichten.
Sie erzeugen durch Unterlassung mittelfeiner Strukturen eine Ambivalenz, die tatsächlich auf dem Wege ist zu einer konzeptionellen Statik zu mutieren. Dabei bedienen sich die Herren Lippok, Lippok und Schneider aus bekannten Stabilbaukästen und malen doch weder figürlich noch abstrakt; musikalisches Know-How, das sich selbst genügt. Schnell werden in der Rezeption aus naheliegendem Reflex jede Menge Bezüge zu Vorbildern des Krautrock hergestellt.
Doch sollte man To Rococo Rot vielmehr attestieren mit ihrem neuen Album der Kernidee von Minimal Music näher zu kommen als es manches Krautrockalbum je war, weil sie so etwas wie einen künstlerischen Bauplan vorlegen, der eine lautmalerische Statik findet, ohne jegliche musikalische Aussage zu tätigen. Hier wird nichts mit Bedeutung gefüllt, keine Position bezogen. Wenn To Rococo Rot es in Zukunft schaffen sich in dieser Ausrichtung ebenso konsequent auch weiter von gebrauchsmusikalischen Formen zu entfernen, könnte dieses Konzept noch weit tragen.
Nicht Schalmei, nicht Schande, nicht schade.
Speculation ist bei Domino erschienen.

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