Euromayday – Dortmund, 01.05.2010

Unter großem Presserummel kam Anfang des Jahres die Wanderdüne Kulturhauptstadt ins Ruhrgebiet. Ein repräsentatives Prestige-Projekt kommt also in eine Region, die seit ca. 30 Jahren an den Folgen des Strukturwandels, hervorgerufen durch die sterbende Montanindustrie, leidet. Viel wurde seither für die Ansiedlung neuer Arbeitsplätze gekämpft. Genützt hat es indes wenig. Oft genug hat sich in den vergangenen Jahren gezeigt, dass allein verkrustete kommunalpolitische Strukturen und die mangelhafte Infrastruktur vor dem Hintergrund leerer Kassen schier unüberwindliche Hindernisse sind.
Um so größer waren die Hoffnungen, die viele in die Institution Kulturhauptstadt setzten, vor allem in Zeiten, in denen die Haushalte vieler Ruhrstädte endgültig pleite sind ( siehe aktuell Duisburg). Doch auch diese Hoffnungen wurden bald enttäuscht. Nach dem Gießkannenprinzip wurden im Rahmen der Kulturhauptstadt meist große, pressewirksame Ankerveranstaltungen mit viel Geld gefördert, berühmte Künstler importiert. Den meisten Menschen im Ruhrgebiet nützt es wenig, wenn die Förderung von Kultur- und Kreativwirtschaft als Erfolsmodell für den Strukturwandel betrieben und dargestellt wird. Das sind nämlich Branchen, die ohnehin Anfang des 21. Jhd. von nicht gerade zahlreichen, aber unsicheren Arbeitsverhältnissen geprägt sind.
„Die Politik bastelt an Prestige-Projekten, wie z.B. dem Bau eines neuen Konzerthauses in Bochum oder dem Dortmunder U-Turm als Zentrum für Kunst und Kreativität. Von der Mehrheit der BewohnerInnen, die das Zeitalter von Kohle und Stahl hier zurückgelassen hat, haben sich die Verantwortlichen längst verabschiedet. Diese Mehrheit der BewohnerInnen wird von diesen Projekten des sogenannten Strukturwandels nicht profitieren,“ so unter anderem die Veranstalter der Euromayday in ihrem Aufruf.
Auf diese und zahlreiche weitere Missstände in den Bereichen, Kultur-, Sozial- und Kommunalpolitik im Ruhrgebiet möchte nun die Euromayday aufmerksam machen. Am 1. Mai 2010 wird diese Veranstaltung in einer Mischform aus Parade, Kulturtag und Demonstration all den Menschen im Ruhrgebiet eine öffentliche Plattform schaffen, die sich von der Kommunalpolitik allein gelassen fühlen und von den zahlreichen Hochglanzprojekten der Kulturhaupstadt 2010 enttäuscht sind. Mitmachen kann jeder, Ideen und kulturelle Beiträge sind erwünscht.
Weitere Infos zum Euromayday gibt es hier.
Euromayday Banner

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.