Gonjasufi – A Sufi and a Killer

Wie viele Räucherstäbchen müssen dereinst glimmen, um den kritischen Massepunkt mit umstürzlerischem Anspruch zu überspringen und voll glückseliger Emphase das weltrettende Feuerwerk zu zünden? Las Vegas als Herkunftsort für Klugheit, Bescheidenheit, Disziplin und eine Yogaschule, das kannte man bisher noch nicht. Und womit passt das alles zusammen? Mit Sufismus, so lesen wir. Ist Gonjasufi, der singende Mystiker aus der amerikanischen Wüste, wirklich der asketische Mönch, der er zu sein vorgibt?

Da weht etwas indianisches im Hintergrund vorbei. Es folgen in skizzenhafter Form und hoher Schlagzahl Downbeat und Sitar, HipHop, Trip Hop, Chanson, Reggae, Grunge, Punk, Rock und jede Menge vorderasiatische Fragmente. Die Klammer, die diesen Parforceritt zusammenhält, ist eine rauhe Stimme in stark changierendem Singsang.
Gonjasufi weiß, wie man mit den Rohmassen Popfundus und traditionelle Musik umgeht, um fruchtbare Ausgangsbedingungen für ein Experiment zu schaffen, dessen Reaktion exotherm ist. Emotionale aufgeladene Kräfte werden freigesetzt, die ebenso gut töten können, wie sie in der Lage sind Erkenntnis und Erweckung zu bringen. Der Mann aus Las Vegas entblättert als erwachsener werdender Musiker vor unseren gnädigen Ohren die ganze Hybris des geläuterten Drogensünders, der zum Prediger mit Hirtenstab mutierte. Äußerste Verzückung und Ekstase können in seinem stark religiös unterfütterten Weltbild die selbe fast mühelos retten. Warum auch nicht, wenn der predigende Hirte erst nach getaner Arbeit für John Lennon und Bob Marley raucht, mag man ihm seine Reime gern glauben.
Gonjasufi aka Sumach Ecks alias Sumach Valentine, der zunächst in den 90er Jahren mit den Masters of The Universe rappte und mit Killowattz Platten auflegte, um dann erstmal vom eigenen Weg abzukommen, ist ein Meister des Gegenüberstellens versprengter musikalscher Elemente. Verstaubte und vergessene Popgeschichte taucht auf „A Sufi and a Killer“ als Miniatur mit rauhem Low-Fi-Charme wieder auf. Selbst einfachste Kadenzharmonik wirkt hier wieder frisch und ausdrucksstark. Ähnlich inspirierende Effekte schaffte vor einigen Jahren allenfalls Mike Skinner mit seinem Erstlingswerk.

Unter Sumach Valentines kratziger Stimme, die mit den Mitteln extatischer Weggetretenheit und gleichmütig verschmitzter Allwissenheit spielt, schimmert der vergessene Glanz schaler Scherben des Pop von neuem mit unbändiger Kraft.
Gonjasufi stellt Stile und Konzepte gegenüber, ohne sie zu einem neuen Ganzen zusammen zu fügen. Er reißt immer nur an, um dann sofort ins nächste Genre hinüber zu springen und ein weiteres saures Echo von seinen Klischees zu befreien. Ob es das Klischee des weichgespülten Chansons ist oder die Erinnerung an eine Jimi-Hendrix-Bass-Linie, Eigenheiten und Kontraste disparatester Stile bleiben erhalten, weitgehend unbehandelte Diamanten entfalten ihre vergessen geglaubte Magie und funktionieren als neuer, ja, Pop in erstaunlich juvenilem Gewande.
Zusammen mit Gaslamp Killer und Flying Lotus hat Sumach Ecks nun ein Album produziert, dass in der Tat ein Feuerwerk ist und ein dringender Anwärter auf die Jahrescharts 2010.
„A Sufi and a Killer“ ist im März bei Warp erschienen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.