The Magnetic Fields Live – Hamburg, Fabrik 29.3.2010

Stephin Merritt ist in der Stadt! Der lakonische Troubadour bringt seine magnetischen Felder mit, doch magisch wäre eher die richtige und bessere Titulierung. Meine Lieblingsband ist endlich mal wieder in Deutschland. Doch nicht nur meine Helden, sondern auch die Kälte ist nach Hamburg zurückgekehrt und so ist es wohl der perfekte Zeitpunkt, um Wärme zu verteilen. Merritts großes Herz wird schon dafür sorgen.
Dass es bestuhlt sein wird, hatte ich geahnt, doch wie immer bin ich spät dran und so bleiben mir nur Pritschenplätze an der linken Bühnenseite. Während des Konzerts gibt es keinen Getränkeausschank. Super! Also muss ein schnelles Bier und ein zweites für den ersten Teil der Show genügen. Die Fabrik ist gut besucht, etwa 250 Besucher warten gespannt auf die New Yorker. Auf der Bühne sucht man vergebens nach großen Verstärker-Ungetümen oder Poser-Effektgeräten. Akustisch wird es zugehen und die Band wird auf Stühlen und einem Barhocker Platz nehmen. Dann kann man also mit keinen Songs der letzten Platte „Distortion“ rechnen. Schade, hatte mich auf ein wenig The Jesus And Mary Chain-Popkrach gefreut. Die neue Scheibe steht im Vordergrund und die weigert sich ja elektrische Instrumente nur in die Hand zu nehmen. „Realism“ halt.
Beifall tost auf. Es geht los. Die Magnetic Fields betreten die kleine Bühne in der Fabrik. Stephin bringt wie erwartet sein langjähriges Ensemble mit. Claudia Gonson, die auch die Managerin ist, spielt das Klimper-Piano, Sam Devol streichelt das Cello, John Woo zupft die Akustische und Shirley Simms bringt Autoharp und Stimme mit. Doch auf dem Barhocker thront der Brummbär Stephin. Mit seiner Ukulele zaubert er fantastische Songs aus der Hüfte. Einige Späßchen lockern die Stimmung auf, doch eigentlich geht es ziemlich traurig zu. Stephin ist halt ein Romantiker und das Leben ist nicht immer gut zu ihm gewesen. Seine Suche nach Liebe, Sex und Glück packt er in sarkastische Texte, die einem schon mal im Halse stecken bleiben können. Leider hat der Ausschank zu. So muss ich ein paar mal schlucken.
The Magnetic Fields
Stephins tiefe Stimme brummt sich durch das erste Set. Seine Mitstreiter begleiten ihn vorzüglich und man sieht bei den von den Frauen gesungenen Stücken, wie sehr Stephin seine Band verehrt. Fast verliebt schaut er ihnen bei ihren Darbietungen zu und schrammelt vergnügt die Ukulele. Ein bunter Strauß Blumen fliegt über die Bühne. Aus allen Schaffensphasen sind Songs einstudiert worden. Sogar „The Nun’s Litany“ vom „Distortion“-Album wird sanftmütig verfolkt. Zufrieden lehne ich mich zurück.
Stephin kämpft mit seiner Müdigkeit und seiner Stimme, doch das ist nicht so schlimm. Einen versemmelten Ton oder einen Texthänger umspielt seine Band locker wie ein Kuchenteig. Auch der Hit der aktuellen „Realism“-Platte „I Don’t Know What To Say“ bleibt Stephin ein wenig im Halse stecken. Der Rotwein nach der Pause wird ihm schon wieder Feuer einhauchen. Der Folk-Pop, der immer wieder in die verschiedensten Spielarten kippt bezaubert. „Ist das Indie-Pop?“ steht auf dem Tour-Plakat. Warum nicht?
Gerade die sehr alten Songs überzeugen. „All the Umbrellas in London“ zeigt all die Trauer und vergebliche Suche nach Heimat oder einem Ort, der einem ein zu Hause bieten kann. Auch „Papa Was A Rodeo“ vom Meisterwerk „69 Lovesongs“ als Zugabe gibt dir ein Countrygefühl mit zerissenen Jeans und Männerschweiß.
The Magnetic Fields sind zeitlos und unantastbar. Stephins Gespür für Melodien, die auch obwohl so klein arrangiert eine Größe ausstrahlen, schenkt dir Gänsehaut und wohlige Wärme gleichermaßen. Man spürt das Merritt nicht der glücklichste Mensch auf Erden ist, doch er gibt sein Bestes, um uns zu unterhalten. Jedes Kleinod wird von den Zuschauern frenetisch gefeiert. Jeder anzügliche Text mit Schmunzeln goutiert. Die Fans kleben an Stephins Lippen und verlieben sich wieder erneut in die Pop-Miniaturen der Magnetic Fields. Der beste Texter, neben Morrissey und Neil Tennant wie Merritt selbst kühn behauptet, sitzt starr auf seinem Hocker und doch fühlt man wie er innerlich tanzt und brodelt. Ein wunderschöner Abend. Eine tolle Band und Songs für die Ewigkeit. „I’m The Luckiest Guy On The Lower East Side“.

0 Gedanken zu „The Magnetic Fields Live – Hamburg, Fabrik 29.3.2010“

  1. Kein Getränkeausschank während des Konzerts? Sowas hat es früher, als noch geraucht werden durfte, auch nicht gegeben. Der Typ mit der Schiebermütze hat ja ein bißchen Ähnlichkeit mit Dr. Love, finde ich. Aber vielleicht kommt das von dem Schatten.

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