Bonnie 'Prince' Billy & The Cairo Gang – The Wonder Show Of The World

Eine einsame Gitarre kreist umher. Wie ein halbabgebrannter Joint gilbt sie deine Finger. Die Sologitarre stimmt mit ein und führt ein Tänzchen auf, bei dem sich dir die Rückenhaare aufstellen. Zwei Katzen miauen um die Wette und fauchen bei jeder Annäherung. Will Oldham ist zurück und bringt seinen jahrelangen Kompagnon mit. Dieser darf sogar mit seinem Pseudonym aufs Plattencover. Ein Ritterschlag. Der einsame Wolf lässt den Rudel zu und gibt seine Songs in gute Hände.
Emmett Kelly versteht es die Gitarre sechzigermäßig anzuschlagen. Jedes Picking wirft Schatten auf die Sonnenseite des Lebens. Ein Fingerschnippen wird zum Groove des Folk-Gospels. Die Songs bleiben nüchtern, doch sie strahlen eine tiefe Wärme aus, dass dieser zu lange Winter nun endlich schnell vergessen sein wird. Wills Stimme kugelt sich auf dem schlammigen Boden. Kein Ton zu viel, kein Gefühl zu wenig. Immer auf der Lauer, um Fettnäpfchen großspurig zu umgehen.
Emmett und Will streicheln sich gegenseitig in den Schlaf. Einer beginnt und der Andere übernimmt schnell das Ruder und fügt kleine Verschiebungen ein. Ein Rimshot knallt durch die Nacht, während Will sich durch die Geschichten zappt und Emmett eine zweite Stimme trällert, die dir unheimlich ist und doch vertraut vorkommt.
Wie eine alte Oma sitzt Will Oldham im Schaukelstuhl und leiert sich traumhafte Akkordfolgen aus den Haarfusseln. Wer hier federführend ist, spielt keine große Rolle. Das Paket stimmt und der Unterton, der teilweise zuckrigen Stücke bleibt düster und schemenhaft. Auf den Spuren großer Romantiker wandelt es sich gerne und die Liebe wird dank Wills stimmlicher Annäherung fast greifbar. Der Trauer um Verlorengegangenes oder Verblichenes folgt eine Lobhudelei auf die Freiheit, die dir keiner nehmen kann.
Bonnie 'Prince' Billy & The Cairo Gang
Die sexuellen Wahrheiten deiner Existenz treiben dich zu Höchstleistungen oder zu Dummheiten. All das weiß der Prinz und zupft sich große Worte aus der Nase. Der süße Beginn des Albums muss dann doch der Tragik weichen und die Nacht wird länger und länger. Die teilweise stillstehenden Songs warten auf den Antrieb, den Motor. Doch die beiden Käuze lassen sie im Regen stehen, reichen wenn es hochkommt vielleicht mal ein Cape, doch du musst mit nassen Haaren rechnen.
Der große Daumennagel klebt auf den Nylonsaiten und schlägt schon mal auf den Korpus, um wenigstens einmal angeklopft zu haben. Will bleibt sich also treu und die Fangemeinde hat wieder neue Perlen, nach denen es aber erstmal zu tauchen gilt. Nicht immer legt Will ein Tablett auf den Tisch. Manchmal muss man halt vom Boden speisen. Das Besteck spült derweil Emmett, der sich zu einer Gang aufplustert, wenn es hart auf hart kommt.
Der Folk-Blues hat wieder neue Anstriche erhalten, doch die Farbe war die aus dem alten Schuppen. Bis der Eimer alle ist. Der Prinz weiß, wo der Wind die Flügel hat und wir folgen seinen Geschichten, auch wenn er uns ins Verderben führt.
Erschienen bei Drag City/Domino

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