Dum Dum Girls – I Will Be

Der Krach macht dich wahnsinnig. Die Autos rasen und der Staub macht dir einen Frosch im Hals. Du rotzt grüne Eumel auf die Straße. Zwischen den Mülltonnen liegen alte Teenie-Magazine. Jeder Style-Tipp ist dir bekannt. Auch die Tipps der Sexberater klingen für dich nicht provinziell. Deine Lederjacke ist verdreckt, Tabakreste krümeln sich aus den Taschen.
Dein iPod lärmt lauter als der Verkehrskrach. Du liebst Garagenbands und die Dum Dum Girls sind dir zur Zeit die Liebsten. Schmachtfetzen werden niedergedroschen. Hinter jedem Noise-Pegel wartet ein Sahnetörtchen mit Gummikirsche. Los Angeles lässt die Girls in Schaufenstern spielen. Modepüppchen sehen zwar anders aus, doch Female Fronted Rock-Bands kann man schon mal mit Neonlicht bewerfen.
Ihre Vorliebe für The Jesus And Mary Chain und Velvet Underground findet Gefallen. Jedes Hauchen erhärtet den Gitarrensound. Jeder Zauberchor flutscht durch das Brett der Noiseüberdachung.
dum dum girls
Dee Dee Penny trägt ihren Namen auf der Zunge und holt die Punk-Schnitzel aus der Schlachterei, um sie selbst noch mal durch den Wolf zu drehen. Die drei Mitstreiterinnen kommen nur zum Dosenschießen vorbei und halten die Songs beieinander. Sie machen das groß, das groß gemacht werden muss und wenn es die Anzahl der Getränke des Caterings ist.
Hinter all dem Gebrüll steckt ein weicher Kern. Die Gitarren zischen und brennen, doch unter der ersten Flammenschicht brodelt der zuckersüßeste Pop der Jetzt-Zeit. Sub Pop hat das geahnt und Dee Dee schnell für sich eingenommen. Rückkopplungen dürfen schon mal in Nylon getüllt werden. So bekommt Dee Dee die nötige Medienpräsenz und stolziert sexy und ungestüm in die Punk-Lobby. Die Jungs nicken ab und betteln um Backstage-Küsse.
So eine Frauencombo macht schon was her. Das Schlagzeug hat den Hall, den die Stimme für sich in Anspruch nimmt, Huckepack genommen und torkelt sturztrunken durch die Tiefgarage. Aus den Autoradios brummt ein Bobby Gillespie-Zitat. Die Snare bleibt steif wie Nachbars Lumpi und Kälte quillt unter die Miniröcke.
Der Bass bleibt bei seinen Leisten und hält die vier Saiten sauber. Dee Dee unterstützt tatkräftig ihre Idee des Schmal-Wandsounds. Tribal-Rhythmen bleiben stets in schwarz und der Anflug von Girlpop ist begrüßenswert. Warum nur zerstören? Die Garage mit all ihren herumliegenden Stinkelappen wäre doch zu einfach. Die Pogogemeinschaft wird um ein: “Schneller” nicht drum rumkommen. Doch in der Ruhe und Kühle liegt die Kraft. Gerade wenn du glaubst eine Surf-Band zu hören, bist du im Tanzbereich der Dum Dum Girls. Und sie wiegen dich in lieber Tradition und Mundgeruch. Nichts neues, aber dennoch unterhaltsam und schick anzuschauen. Jeder Kosename findet auf der Platte seinen Stammplatz und so poltert sich “I Will Be” vergnügt durch das Alternativ-Lager und hat mit “Baby Don’t Go” noch eine kleine Ballade zu bieten, die einem das Pils durch die Nase ziehen lässt. Gut, dass die Geschosse meistens im Ziel landen, sonst wär der ganze Aufwand schon peinlich.
Erschienen bei Sub Pop

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