Not Available: The Residents – Not Available (1974 / 1978)

Die Nicht-Verfügbarkeit oder auch Nicht-Existenz einer Platte als Konzept ist zwar selten, doch kommt vor. So z.B. bei “Keine Platte” von Padeluun. Eines der seltenen weiteren Werke, wo die Unverfügbarkeit zum Kunstwerk selbst gehört ist gleichzeitig Namenspatron für diese Kolumne. “Not Available” von den Residents.

Ungewöhnliche Konzepte gehörten seit Anbeginn der Residents zu der Band. So weiß bis heute niemand, wer hinter den verkleideten Musikern steckt. Und nicht wenige nahmen an, dass es sich bei den Residents um die Beatles handeln würde. Vor allem weil seit Lennons Tod einer der Augäpfel verschwand und durch einen Totenkopf ersetzt wurde.
Das Faible für Absurdität wurde auch auf ihren Alben fortgesetzt. So besteht das “Commercial Album” aus 40 Jingles und auf “George And James” von 1984 coverte man ausschließlich George Gershwin und James Brown.
Bei “Not Available” wird es schwierig Konzept und Tatsachen, Fakten und Fnords auseinander zu halten. So berufen sich die Residents regelmäßig auf einen gewissen bayerischen Komponisten N. Senada. Senada soll der Entwickler der “Theory Of Obscurity” sein. Diese besagt, dass ein Künstler seine unverfälschteste Arbeit abliefert, wenn er in Obskurität arbeitet, ohne jegliche äußere Beeinflussung durch ein Publikums.
Um diese Theorie zu beweisen sollen die Residents 1974 “Not Available” als Nachfolger zu “Meet The Residents” aufgenommen haben. Ziel war es, Senadas Theorie zu untermauern, indem man ein Werk nicht nur isoliert aufnahm, sondern dieses auch weiter isolierte und die Platte erst veröffentlichen würde, wenn alle Bandmitglieder sie vergesseb haben würden. Also wanderte die Mini-Oper in vier Akten angeblich in ein Bankschließfach.
1978 erschien dann “Not Available”. Die Residents arbeiteten gerade an “Eskimo” und kamen nicht so recht weiter. Sie verschoben den Releasetermin. Die 1976 gegründete Cryptic Corporation, die sich um alle Belange der Residents kümmerte, endzweite sich zeitweise mit der Band, die mit den Mastertapes zu “Eskimo” nach England floh. Im Gegenzug nahmen die Jungs bei Cryptic “irgendwelche alten Bänder” aus dem Schrank und veröffentlichten diese als “Not Available”.
Obwohl gegen Ihren Willen geschehen, war die Veröffentlichung von “Not Available” in den Augen der Residents nicht falsch. Schließlich überging man sie bei der Entscheidung und ihr philosophisch-theoretischer Ansicht nach Senada war nicht in Gefahr.
So also die Geschichte, ist sie wahr oder nur ein Publicity Stunt? N. Senada, der bayerische Komponist, dessen Hauptwerk “Pollex Christi” aus Fragmenten anderer Kompositionen besteht, ist höchstwahrscheinlich nicht real. Und was wurde überhaupt jetzt veröffentlicht? Irgendwelche Bänder oder tatsächlich das unter Verschluss gehaltene “Not Available”? Das Spiel mit Verwirrung, Obskurität und Fehlinformation steht den Residents nunmal und so soll es auch hier nicht darum gehen dieses Konstrukt zu entwirren, zu entzaubern. Am Ende bleibt die Idee hinter dem Werk übrig, und die reicht vollkommen.

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