Jaga Jazzist – One-Armed Bandit

Ein Kopf wurde schon gekürzt, doch da sind immer noch neun Gehirne, die versuchen einen klaren Gedanken zu fassen. Die Bläser blasen gegen Fusion-Gitarren und das Schlagzeug versucht mit dem Flanger-Bass eine Wochenendbeziehung zu führen. Die Norweger Jaga Jazzist legen nun schon, wenn man die EP’s auch mitzählt ihr neuntes Album vor und nicht vieles hat sich verändert. Immer noch sind wahnsinnig viele Musikstile involviert. Da fliegt schon mal eine Fernsehmelodie vorbei und grüßt Captain Future mit einem Nebelhorn. Die Galaxie hat nicht nur einen Todes-Stern.
Die Warteschleife der Telefonseelsorge klimpert lässig vor sich hin. Bitte warten Sie! Die 70er sind allgegenwärtig ohne deren spießige Cordhosen-Ästhetik. Wir müssen warten, denn Harry holt immer noch den Wagen. Die Lottozahlen eiern durch die Glaskugel. Wird der Jackpot heute geknackt? Ja, die Spielsucht lässt dir schon mal das Kleingeld ausgehen. Der einarmige Bandit hebt den Stumpf und ruft:“Insolvenz!“ Progrock für die verjazzte Schneelandschaft.
Deine Mutter hatte dich gewarnt. Spiel nicht mit den Schmuddelkindern! Die neuen Instrumentals haben ihren Charme, das kann keiner wegreden. Immer ein wenig Porno, doch für die Space-Night zu wild und schnell. Dem Kiffer bleibt die Spucke weg!
Die Bläser fahren nach anfänglichen Großtaten erschöpft nach hause. Die E-Gitarre nimmt deren Platz ein und wichst unbekümmert in der Öffentlichkeit. Die Spielhalle wird zur Lounge und die Suchtberatung verteilt Rubbel-Tattoos. Wer will die Kirschen als Symbol des Geldes?
Der Postrock erreicht neue Ufer, die aber natürlich auch schon einige Leichen vorrätig haben. Man muss halt stark bleiben. Tortoise liegen da und Soft Machine! Für Jaga Jazzist beginnt das Leichenfleddern. Die Grabsteine reichen für einen neuen Domino-Day. An den Rändern zwicken diese neuen Stücke. Die Computer jaulen auf, die große Spielfreude ätzt dir den letzten verbliebenen Arm weg. Fahrstuhl-Musik hört sich anders an!
„One- Armed Bandit“ ist Fusion-Tabak für die Filterlosen-Fraktion. Alles schön selbst gedreht, doch die Tabakfusseln nerven auf der Zunge. Man sollte direkt zu Kautabak greifen, um etwas Nahrhaftes zu bekommen. Das letzte Kleingeld kommt in den Daddelautomaten. Drei Melonen zeigen dir, dass auch Looser mal Glück haben können. Der Automat haut dir den Jackpot um die Ohren. Du flitzt zur Kasse, um nach einer Plastiktüte zu fragen, doch leider sind heute so viele Gewinne raus, dass Mangel herrscht. Du ziehst dir deine Schuhe aus. Dein Paar Socken müsste reichen. Barfuß und mit an den Schnürsenkeln zusammen gebundenen Schuhen, die du dir lässig über die Schulter geworfen hast tänzelst du nach hause. Die Sucht hat dich gepackt, du wirst morgen wiederkommen, um dir das nötige Kleingeld für eine Norwegen-Reise zu erspielen. Doch Vorsicht, morgen könnte auch dein Haus weg sein. Deine Frau ist es schon!
Erschienen bei Ninja Tune und reinhören kann man hier.

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