Yeasayer – Odd Blood

Im Restaurant bestellen Yeasayer immer drei Hauptgänge und einen großen Teller. Alles wird zu einer Pampe zermatscht und zusammen mit nur einer Gabel verspeist. Man muss sich halt vertrauen können. Unter dem Tisch werden kleine Rekorder aufgestellt. Yeasayer brauchen O-Töne. „Odd Blood“ will anders sein und ist anders. Geräusche und obskure Töne leiten jeden Song durch den selbst auferlegten Wahnsinn.
In Brooklyn muss man schon freakig sein, um die Proberaum-Miete zahlen zu können. Yeasayer huschen durch die Stile und kosten gerne auch von den verbotenen Früchten. Disco, Hip-Hop, Worldmusic. Ach, wir brauchen keine Kennzeichnungen. Denn was bitte schön soll Chill-Wave sein? Yeasayer suhlen sich in der Dirty Projectors-Ecke ohne Eselsmütze und stellen jedem Kritiker ein Bein. Sogar ich Minensucher habe mich schon zwei Mal auf’s Maul gelegt. Ist doch gar nicht glatt. Zu viel gestreut? Mensch, der Groove ist das Zünglein an der Waage! Spürst du das nicht? Jeder Achsendreher ist nur Beiwerk. „Odd Blood“ verzückt! Wohin soll die Reise gehen? Schnurstracks in die Jahrescharts. Wer jetzt nicht schon zum Plattendealer seines Vertrauens los ist, dem kann ich auch nicht mehr helfen.
Yeasayer
Der Gospel und spirituelle Ansatz des Debüts ist aus den schulterlangen Haaren gekämmt worden. Die Achtziger Jahre werden noch mal befeuert, ohne in Kitsch und Steghosen zu enden. Man muss halt wissen wie. Die Tanzfläche wird zum Schauplatz für Keyboardschlenker und unnahbare Hits. Hits, die immer schön knapp an der plumpen Hook vorbeischlittern, aber die Tischdecke mitreißen. Dann essen wir halt unter dem Tisch weiter. Guck mal, da sind die Rekorder!
Yeasayer kann man nicht greifen oder umarmen. Sie befreien sich geschickt aus jeder Umklammerung und dokumentieren diesen Schritt mit einer neuen Tonaufnahme. Könnte man ja mal verwenden! Dein Jaulen wird auf’s übernächste Album gepappt. Schweine. Wollt ihr nicht auch geliebt werden? Ich hätte so viel zu geben. Da könnt ihr euch sicher sein! Bin sogar treu und höre heimlich Jazz! Die Jungs ziehen weiter. War ja nur ein Angebot.
Das Tempo steigt. So auch der Pulsschlag. Hören wir Gitarren? Nein, das sind doch Synthies! Wer hat jetzt recht? Wurscht! Tropisch geht es manchmal zu. Dein Hawai-Hemd ist schon ganz feucht. Wenn nicht jetzt gleich mal unausstehlicher Funk um die Ecke kommt, verlass ich die Tanzfläche. Glück gehabt, sie haben Prince entführt und lassen ihn Talk Talk nachspielen.
Lady GaGa schiebt sich elegant an den New Yorkern vorbei. Ich hab’ dich gesehen, Baby! Ohne Gummi-Corsage wärst du unaufälliger gewesen! Auch Marc Almond ist zur Kostüm-Party gekommen. Jeder Elektroniker, ob Pionier oder Nachahmer zieht vor so viel programmierten Irrsinn den Hut. Roxy Music ohne Dandyappeal. Doch, das ist eine Gitarre! Scheiß drauf, denn rechthaberisch sind nur Vollidioten.
Die Musik drängt und drückt, die Keyboards kleben dir an der Backe und jede noch so fiese Geräuschkulisse hat ‘nen Stammplatz auf der Haupttribüne. „Odd Blood“ ist ein Monster! Ein Brett! Wird die coolen Jungs unter euch noch langhaltig beschäftigen. Die Girls werden eher müde abwinken. Gut, für die gibt es ja noch Sade. Obwohl irgendwie ist „Odd Blood“ auch ein bisschen wie…
Erschienen bei Mute/EMI

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