Hot Chip – One Life Stand

Da ist sie nun also zurück, die „Band total neuen Typs“ mit ihrem insgesamt vierten Album. Sehr schnell wird klar, dass nach wie vor eine ihrer hervorstechensten Qualitäten der unaufgeregt juvenile Gesang Alexis Taylors ist. Überhaupt ist nun vieles unaufgeregt und nachdenklich auf „One Life Stand“. Eine Stimmung, über der meist ein leichter Schleier von tröstlichem Räsonieren hängt, wird zu der schon bekannten Exaltiertheit gemischt. Das, und die harmonisch kristallklar geschliffenen Motive prahlen mit leicht trauriger Schönheit. Aber, ist das genug für die fünf neuen Typen?
“Darling, was ich dir schon immer sagen wollte: Wir sind anders als die anderen Jungs.” Wirklich? Wo schlagen sich die so viel beschworenen Haltungen und Einflüsse wie Nerdtum und Do-It-Yourself-Philosophie jenseits von schon längst zum Klischee gewordenen Modeaccessoirs nieder? Modeaccessoirs, deren minimalistischen Entsprechungen man in den geschliffenen Kompositionen mit der Lupe suchen muss.
Manchmal muss man schon genau mitzählen. Da wird ein Chorus ein paar Takte weiter nach hinten geschoben, noch weiter. So erscheint er schließlich als ein Teil, den man schon gar nicht mehr erwartet hatte. Da strahlt dann tatsächlich etwas. Kleine Synthitupfer werden nur noch selten wie Puderzucker aufgetupft, und dann auch nur in homöopathischen Dosen.
Was als Klammer bleibt ist diese allgegenwärtige Sanftheit, die das gesamte Album wie Spiritus durchtränkt hat. Diese Sanftheit trägt die Band als sublimierte Individualität in einem versiegelten Schrein auf einer Pop-Prozession vor sich her. Einer Prozession, die inzwischen an fast jeder Haustür halten und sich gleichzeitig eine Haltung bewahren will, die dir sagt. „Du musst jetzt schon ganz besonders genau hinhören, denn ich komme nur einmal im Jahr, mein Schatz.“
Diese Haltung findet ihren stärksten Ausdruck und gleichzeitig die schwächsten Kompositionen in den balladesken Momenten von „Slush“ und “Keep Quiet”. Besser funktionieren da nach wie vor die im Mid-Tempo verhangenen Pop-Momente der ersten Hälfte des Albums. Momente, die wie auch schon auf „Made in the Dark“ auf die dandyhafte Querständigkeit einer Band wie The Monochrome Set verweist, allerdings ohne jeden Swing.
One Life Stand erscheint bei EMIHier kann man in das Album reinhören.

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