Adam Green – Minor Love

Adam Green steht im Desert Memorial Park in Cathedral City. Er sucht das Grab von Frank Sinatra. Eine Entschuldigung ist schon lange angebracht. Nun will er die Zeit zwischen Promo-Terminen und Anti-Folk-Sessions nutzen. Mit einem Strauß Blumen hockt er sich vor Sinatras Überreste. Adam flüstert ein: „Sorry“, erhebt sich und holt eine Flasche Whisky aus dem Turnbeutel.

Zwei Gläser, die er aus dem Hotel geklaut hat, füllt er bis zum Rand. „Ich werde deinen Namen nie wieder verunglimpfen! Ich bin kein Entertainer! Ich bin ein Barde, der früher im Robin Hood-Kostüm durch die Clubs tingelte. Und werde es auch immer sein. Die Showtreppe war zu steil und der Anzug, in Verbindung mit Chucks, war auch deiner nicht würdig. Prost!“.
Nach einer Stunde taucht seine Managerin auf. Die großen Magazine warten. Aus Deutschland sind sogar Charlotte Roche und Sarah Kuttner angereist. Auf die hat Adam ja so richtig Bock. Na ja, die Mühle dreht sich weiter und man wächst an seinen Aufgaben.

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Adam will sich nun wieder dem Pöbel widmen, der hat ihn doch damals die Miete zahlen lassen. Jessica Simpson war nicht nur Matratze, sondern auch Sprungbrett, um aus der Slacker-Lethargie zu entfliehen. Jede wichtige Songwriter-OP wurde bei Grey’s Anatomy auf den Tisch geknallt. Junge Mädchen ließen sich Notenschlüssel als Arschgeweih tätowieren. Adam war ihr Prediger, ihre Wichsvorlage. So sah der Schwiegersohn in spe aus. Natürlich hatten alle Eltern Angst vor Läusen, oder schlimmer noch Geschlechtskrankheiten. Der Junge von nebenan war wieder gefragt. Adam war der Rächer der Enterbten, der Silver Surfer ohne sportliche Ambitionen. Stand Up-Comedy mit der Holzgitarre.
Die ersten Dollars wurden verpulvert. Orchester wurden bezahlt. Frank Sinatra drehte sich im Grab. Sah so Entertainment aus? Wo war der Schmutz geblieben? Nun rudert Green mit „Minor Love“ zurück. Kimya Dawson ist zwar immer noch außer Reichweite, doch ein Scheppern lässt die Indie-Crowd aufhorchen. Kleine Songs bleiben klein und erhalten so den Charakter. Gute Geschichten werden in Studenten-Cafes vorgetragen und Greens Stimme bleibt dunkel und versponnen. Das Sakko ist endlich wieder verbeult und die Röhrenjeans hat ein verblasstes Schwarz.
Scott Walkers Ballett-Schläppchen laufen über den Walk Of Fame. Adam Green hat sich umgezogen. Die Angeber-Stiefel liegen nun auf der Halde. Liebesbotschaften überbringt der Nightliner. Backstage-Pässe sind wieder heiß begehrt. Den Mädels werden wieder die Höschen geöffnet, ob das ein Zeichen von Qualität ist, sollen andere entscheiden!
Erschienen bei Rough Trade

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