Lawrence Arabia – Chant Darling

Yoko Ono rutscht die Sonnenbrille von der Nase. Was will der denn? Ein Fluxus-Kollege hat ihr ein Tape zugesteckt. Nun liegt sie in der Badewanne und hat den alten Kassetten-Rekorder auf den Klodeckel gestellt. Bei einem Schaumbad im Dakota-Building, hört sie das erste Mal rein. Was? Sie horcht auf. Der Badewannenstöpsel zwickt, doch die Position zu ändern, würde zu viel Geplätscher machen und sie könnte nicht mehr genau diese Stimme hören. Ist das ein weißer Flügel?
Hat da der charmante Fluxus-Kollege ein altes John-Tape aus dem Keller geholt? Bootleg? Sie denkt kurz über eine Klage nach, entscheidet sich aber zuerst für einen Anruf bei Lieblings-Beatle Paul. „Du, sag mal, hast du auch schon dieses Chant Darling-Album gehört?“. Paul muss grinsen, dass merkt Yoko an der langen Pause. „Nun sag schon!“.
Paul holt ein wenig aus und erklärt, dass Lawrence Arabia dahinter steckt. Ono muss schlucken. In ihrem Alter versteht sie nicht mehr, dass hinter lustigen Künstlernamen manchmal sogar ganz gute, vielleicht sogar nette Menschen stecken. „Google doch mal!“, ist Pauls Vorschlag. Yoko Ono klatscht einmal in die Hände und fünf Sekunden später steht ein Bediensteter in ihrem Bad und reicht ihr das wasserfeste Laptop.
Lawrence Arabia“ geht nicht so locker von der Hand. Nach einigen Fehlversuchen ist sie bei Myspace angekommen. Schick! Der Bart lässt Ono träumen. Ist das alles schon so lange her? Schnell wird Skype aktiviert, sie will nun Pauls Grinsen leibhaftig sehen. Sie verteilt ein bißchen Schaum über ihren Oberkörper. Jetzt kann es losgehen. Paul lacht und Yoko fragt: “Hast du dir schon wieder die Haare gefärbt?“ Paul vergeht das Lachen und beendet die Verbindung. Blubb.
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Die Witwe schmeißt sich in ihren Kimono und schlüpft in weiße Puschen. Ob Ringo mehr weiss? Alles zu umständlich. Der direkte Kontakt muss hergestellt werden. Yoko ordnet mit einem Telefonat ein Kidnapping an. „Und behandelt ihn nicht zu sacht!“.
Es dauert nur zwei Tage, dann sitzt Lawrence in Ketten vor ihr. Yoko nimmt die Sonnenbrille ab und mustert ihn. Ja, sie schnuppert regelrecht an ihm. „Was willst du?“. Lawrence ist verdutzt: „Ich bin halt Fan und liebe die Musik der Sechziger. Ist das denn verboten?“ Yoko Ono überlegt kurz, ist sich aber mit ihrer Antwort sicher. „Ja!“.
Warum machen so junge Burschen, wie du einer bist, nicht Techno oder wie diese Bumsmusik heißt?“ Lawrence weint. „Ich habe doch alles versucht. Immer wenn ich einen Song schreiben will, habe ich ein Brett vorm Kopf. Jede Melodie, die aus meinen Fingern fließt, gab es schon. Meistens war dein Mann daran beteiligt. Was kann ich dafür, dass er so gut war?“ Yoko streichelt Lawrence durch den Bart. „Da hast du Recht!“ Mit einem Glöckchen bimmelt sie nach einem Bodyguard. „Macht ihn los!“. „Du bist ein ehrliches Kerlchen, das mag ich. Du tust mir fast leid. Geh mir aus den Augen!“.
Und so kommen wir in den Genuss Lawrences Album zu hören. Und wie immer hat Yoko Ono Recht…
Erschienen bei Cooperative Music/Universal

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