Wetdog – Frauhaus!

Wenn Mädels in die Garage gehen, dann nicht um sich unter alte Karren zu legen. Heutzutage werfen sie ihre Schrott-Amps an und trinken heimlich Papas Biervorräte. In London sind Garagen der neue Investmentfond. Früher wurde Taschengeld noch in die Pubs getragen, doch die Garagenmieten sind so enorm angestiegen, dass man befürchten muss, die urigen kleinen Sauflokale werden über kurz oder lang schließen. “Punk ist tot”, sprach der Freizeit-Punk, doch kleine Enklaven kämpfen um Aufmerksamkeit.
Wetdog spielen in London noch in der dritten Liga, doch Scouts haben schon ihre Öhrchen unter die Röcke geschoben. Die drei Mädels lieben ihren Style und Bassfiguren schlurfen neben dem Kreisverkehr. Synthies bringen eine neue Welle in die angestaubte Bierdusche. Die Toms werden überflogen und Stimmen erklären uns, dass ein neues Jahr angebrochen ist.
In der Garage brennt die Arbeiterglühbirne und die Drums halten das Tempo so gut sie können. Wetdog versuchen alles, um den Slits die Brüste zu rauben. Ganz ohne Dubgekiffe als Betäubung. Hier steht eher Mark E. Smith Pate und hält sein Gebiss ins Vivienne Westwood-Schaufenster.
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Popmusik ist Lichtjahre entfernt und der auffallende Bass humpelt in nur einem Doc Marten. Strumpfhosen werden mit Feuerzeugen behandelt und Gitarrenläufe gehen die Treppe runter. Nur die Orgel versucht pathetisch zu klingen.
Wetdog können überzeugen und nerven. Dies scheint auch ihr Auftrag zu sein. Skurril und bemüht um Andersartigkeit. Dass einem immer wieder die Shaggs in den Sinn kommen, spricht für deren Genialität und Mut. Ob in Londons Straßen heimlich Shaggs-Raubkopien unter die Kids gebracht werden? Vielleicht sollte Vorzeige-Mod Doherty mal an den Shaggs schnüffeln, um zu alter Genialität zurückzufinden. Doch das ist ein anderes Thema. Denn der Post-Punk hat den Briefkasten verstopft und Wetdog drücken noch mit letzter Kraft ein Geschenkpaket durch den Schlitz. Hier wird für die Vernissage geprobt oder für die nächste Malcolm McLaren-Geburtstagssause. Intros werden schön in Bah-Bahs gesteckt und mit ein wenig Spucke eingetütet. Siegel drauf und ab dafür.
Die Fingernägel sind schwarz lackiert. Der Rasierer rasiert nicht nur die Beine, sondern Teile des Schädels. Die Kuhglocke wird mit einer Surfgitarre zum Muhen gebracht. „Dissonanz“ klingt doch abgefahren, dass wirkt als Abwehrspray für Spiesser-Dandies und in besetzten Häusern trägt der frei gewählte Hausmeister gerne ein A auf dem Kittel. Wetdog sind stumpf, aber ziehen es konsequent durch. Zur Geisterstunde mit einem kühlen Hellen ganz gut runter zu spülen. Anbiedern war gestern, Sid Vicious aber auch…
Erschienen bei Angular Recording

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