Bill Callahan – Sometimes I wish we were an eagle

Der Brummbär ist zurück ! Oh Wahnsinn diese Stimme, sie catcht einen schon nach den ersten Zeilen.
Bill Callahan, der Mann der mal Smog war und nun schon zum zweiten Mal aus dem Dunstkreis seines Alter Egos tritt, belässt eigentlich alles beim Alten. Seine Baritonstimme thront über einfach strukturierten Folkperlen.
Zwischendrin träumt Bill vom ultimativen, perfekten Popsong, doch am nächsten Morgen steht nur “Eid Ma Clack Shaw” in seinem Textbook.
Pech !
Trotzdem ist ihm mit “Sometimes …” ein ähnlicher Wurf gelungen wie damals als Smog mit “Knock Knock”. Das Album flutscht so durch, dass die Repeattaste schnell gedrückt werden sollte, um nochmal diese warme Stimme in sein Herz zu lassen. Am Ende wird es Zeit Gott zu verbannen, um endlich seinen inneren Frieden zu finden. Mantraartig zelebriert Mr. Callahan fast zehn Minuten lang seinen Entschluß ab jetzt Gott nicht mehr zu vertrauen.
Doch das Kernstück des Albums ist das famose “All thoughts are prey to some beast”. Wie zu besten “Red apple falls”-Zeiten steigert sich Bill zu krachenden Gitarren und Tomgewirbel in einen Rausch. “I will always love you, my friend”. Dito. Joanna Newsom sieht dies wohl anders. Gut, sie hat ja noch ihre Harfe.
Wer in diesen Tagen noch das I-Tüpfelchen zum ebenfalls saugeilen Bonnie “Prince” Billy Album braucht sollte sich Labelmate Bill Callahan zulegen. Jahreschartsempfehlung !

Jahrgangsgeräusche 2008 – Axel Ganz

Interpret – Titel – Album – Label
01. Fleet Foxes: Your Portector – Fleet Foxes – Bella Union
02. Little Joy: Shoulder to Shoulder – Little Joy – Rough Trade
03. Department of Eagles: Waves of Rye – In Ear Park – 4AD
04. Elbow: Grounds for Divorce – The Seldom Seen kid – Polydor/Universal
05. TV on the Radio: Halfway Home – Dear Science – 4AD/Beggars
06. Ratatat: Lex – Classics – XL Recordings *
07. Bulbul – Lack of the Key – #6 – Exile on Mainstream Records
08. Dan Le Sac Vs Scroobius Pip: Thou shalt always kill – Single – Lex Records **
09. Bomb The Bass: Butter Fingers – Future Chaos – K7
10. Byetone: Plastic Star (Session) – Death of a Typographer – Raster Noton
11. James DIN A4: Der Frosch mit der Maske – Fistel Rose Power – Pingipung
12. Gregory Taylor: Gulu – Amalgam: Aluminium/Hydrogen – Palace of Lights **
13. Portishead: Magic Doors – Third – Universal
14. Spektr: B/W vs Technicolor – B/W vs Technicolor – Tocado
* Ok, ist nicht vom 2008 erschienenen Album LP3, sondern vom 2006 erschienenen Vorgänger Classics, aber immer noch das beste Stück des New Yorker Duos. ** Erstveröffentlichung 2007

Sonic Youth Live – Düsseldorf 24.04.2009

Anlass des Konzertes war die aktuelle Ausstellung “SONIC YOUTH etc.: SENSATIONAL FIX” in der Düsseldorfer Kunsthalle vom 31.01. bis 10.05.2009. Gewissermaßen als Dank für die Anerkennung schoben Sonic Youth am 24. April auf ihrer aktuellen Minitour eine Live-Sonderschicht im Düsseldorfer Beton-Club 3001 ein. Zur Verstärkung brachten Gordon, Moore, Ranaldo und Shelley an diesem Abend Mark Ibold von Pavement an der Bassgitarre mit auf die Bühne.
Der Club war mit 1200 Gästen ausverkauft, dennoch war die Stimmung seltsam verhalten, geradezu distanziert. Und die Distanziertheit beruhte merkwürdigerweise auf Gegenseitigkeit. Obwohl die Rahmenbedingungen stimmten, fehlte irgendwie die letzte Intensität und Hingabe auf Seiten von Band und Publikum. Wenn die Ansagen einsilbig waren, wurde schon verhältnismäßig viel gesagt. Wenn sich ein jubelndes Paar Arme in die Luft warf, dann blieb es meistens allein.
Nach dem dritten Stück z.B. entsteht eine kleine Pause, Thurston Moore wendet sich leicht vom Publikum ab und murmelt halblaut “Düsseldorf”. Gleichzeitig erscheinen auf dem Hinterbühnenscreen Impressionen aus einer Publikumsmenge. Moore hebt langsam den rechten Arm und winkt kurz die Menge im Video an. Das war’s, nächste Gitarre, nächste Stimmung, nächstes Stück. So blieb es insgesamt den ganzen Abend recht kühl, obwohl der Sound gut war, obwohl die illustrativen Videos klug ausgewählt waren (Bühnennebel nur auf der Leinwand!), obwohl die Backliner an den Dutzendgitarrenbatterien ihre brave Arbeit verrichteten und obwohl das Set mit zwei Zugabenblöcken ca. 85 Minuten umfasste und eine ausgewogene Retrospektive des Sonic-Youthschen Werkes abbildete. Es blieb dennoch die souverän, aber sachlich verwaltete Bestandsaufnahme eines großen Gitarrenwerkes.
Das einzige Stück, das mich dann doch noch mit seiner ganzen Schönheit erreichte, war auch schon die letzte Nummer des Abends. “Expressway to Yr. Skull” von einem der besten SY-Alben “Evol” – schneidend und weinend lief es in einen gut 10minütigen Instrumental-Epilog aus. Immer noch eine der charakteristischen Forschungsgebiete und Kernaussagen von Sonic Youth, Soundschichtungen, Noisewalls, Restbrummen, Dauerrückkopplungen, die sich Nuance um Nuance zu einander verschieben, aufschaukeln, wieder abklingen. Hätte für mich noch sehr viel länger so weiter gehen können, in Feedbacks. Schade. Ein wenig.

Jahrgangsgeräusche 2007 – Axel Ganz

Interpret – Titel – Album – Label
01. Benicio Del Toro: Shake, Rattle And Roll – O.S.T. „21 Grams“ – Varese Records *
02. Pantha Du Prince: Saturn Strobe – The Bliss – Dial
03. Signal: Wismut – Robotron – Raster Noton
04. Digitalism: Zdarlight / I Want, I Want – Idealism – Kitsune Music / EMI
05. Justice: D.A.N.C.E – Cross – Warner Music Europe
06. Cornelius: Fit Song – Sensuous – Warner Music Japan **
07. Von Südenfed: That Sound Wiped – Tromatic Reflexxions – Domino Records / RT
08. Burial: Raver – Untrue – Hyperdub Records
09. Amy Winehouse: Back To Black – Back To Black – Universal Records **
10. Caribou: After Hours – Andorra – City Slang
11. Phonomet: Opening Theme – O.S.T. „Burial And Suspect – myspace.com
12. Rooftop Access: Room For Triangles – Easy Glistening – laridae.at
13. Karlheinz Stockhausen: Die Weiterentwicklung von Musik und Menschheit
14. Arcade Fire: Intervention – Neon Bible – Merge

Jahrgangsgeräusche 2006 – Axel Ganz

Interpret – Titel – Album – Label
01. Grizzly Bear: Knife – Yellow House – Warp
02. Thom Yorke: Analyse – The Eraser – XL Recordings
03. Belle and Sebastian: Act of the apostle – The Life Pursuit – Rough Trade
04. Blumfeld: Strobohobo – Verbotene Früchte – Sony BMG
05. Sleeparchive: Dusty galaxies – Infrared Glow EP – Hardwax
06. Dr. Nojoke: Kunkel – Minimale Momente Gelb – Netaudio
07. Metope: I’m so ready – Kobol – Areal Records
08. Inge Heiz: Tiefdröhn – Minimal Tiefer – Netaudio
09. Mouse on Mars: Chartnok – Varcharz – Ipecac/Soulfood
10. Dell und Flügel: Study for a skyscraper – Superstructure – Laboratory Instinct
11. Charlotte Gainsbourg: Everything I cannot see – 5:55 – Because Music