Former Ghosts – Fleurs

Da wackeln die Eier im Karton. Die Bohrmaschine liegt fest in der Hand. Die Hi-Hat steht neben der Rohrzange. Deine Baustelle wird zum Tatort und du machst dich „Obenrum“ frei. Du zeigst, was du hast. Dein Tittenansatz verstört, doch jeder Auswuchs ist von Gott gewollt. Der Teekessel pfeift und die Bassdrum poltert wild drauf los. Die Synthies stehen wie eine Eins. Dein Megaphon ist schon voll Spucke gelaufen. Trauerarbeit sieht anders aus.
Der Simon Gallup-Bass heuchelt dir ewige Treue vor, doch an der nächsten Ecke lauert schon die Versuchung mit rotgeschminkten Lippen. Auch das Wort Hass liegt in Großbuchstaben neben der alten Türklinke. Du baust alles aus. Du brauchst dich nicht mehr zu verstecken. Türen werden ausgehängt. Dein Duschbad wird zur Gesangskabine umfunktioniert. Der Zahntechniker befestigt die feste Spange. Du schniefst ins Taschentuch. Hat doch gar nicht weh getan. Die Dunkelheit tut deinen Augen weh, doch ohne Schlafbrille bist du nicht vollkommen. Du predigst alte Weisheiten, ohne Rücksicht auf Verluste. Verlustgeschäfte schließen eh immer schon um Sechs.
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Du wechselst kurz auf Schlagbohrer und klopfst an die Schmerzgrenze. Dein Schrottplatz gibt noch vieles her. Xiu Xiu und Zola Jesus reichen sich die Hände und feilen ihre Ellenbogen. Schön spitz müssen sie sein. Nur so tuen sie richtig weh. Das Nachtsichtgerät trägt Freddy Ruppert. Er ist einer der Sehenden unter Nachtblinden. „Hold on, wir müssen noch ausbluten!“, schreit Jamie Stewart. „Synthie-Pop“ macht die Heizung. Du schüttelst irritiert den Kopf. Es muss noch die Luft rausgelassen werden. Neue Ventile liegen unter der Spüle.
Du zupfst einzelne Haare aus deinem Drei-Tage-Bart. Dark Wave oder Gothic? Oder doch nur ein John Sinclair-Taschenbuch? Zombies sehen traurig aus. In der U-Bahn oder auf der Gästetoilette. Die „Former Ghosts“ halten sich an der Kommunionskerze fest. Wachs tropft auf ihre unbehandschuhten Hände. Die „Kastrierten Philosophen“ sind wieder zeugungsfähig. Jeder Weg in den Keller, um noch neue Senfgurken oder Limo rauf zu holen, wird zum Albtraum. Du hörst deine alten TKKG-Kassetten rückwärts. War da damals auch schon Satan drin?
Die „Former Ghosts“ schaffen es, die Voodoo-Puppen mit Honig zu bestreichen und die Opfer versinken in Süße. Jedes vergessene Teil wird am Ende mit Gaffa-Band fest gezurrt. Ein Monster entsteht, mit einem Fön als Kopf, einem Korpus aus Fahrradschläuchen und Lenden aus Wachs. Ein Blick in den Spiegel genügt, es ist Zeit auf Brautschau zu gehen. Auf jeden Topf passt ein Deckel.
Erschienen bei Upset The Rythm

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