The Slits – Trapped Animal

Das „Oben Ohne“- Cover der Slits liegt schon Jahrzehnte zurück. Damals ging ein Aufschrei durch Englands Königreich. Die Punkikonen wirbelten durch das Musikbiz und hinterließen offene Münder. Ihre Mischung aus Punk und Reggae feierte das Aufbegehren der Jugend. Die Sex Pistols zogen sich lustige Klamotten an und Johnny Rotten spuckte Gift und Galle. Natürlich wollten auch die Frauen mitspielen und gründeten eigene Bands. Joe Strummers Freundin Paloma und Arianne hielten die Mädelsfahne am Höchsten. Was die Jungs können, können wir schon lange.
Aus Paloma wurde Palmolive, und Arianne nannte sich fort an nur noch Ari Up. Doch eine Band braucht mehr als coole Künstlernamen und ein Duo wollten die beiden auch nicht sein. Tessa Pollitt stieß hinzu und erdete den Sound der Slits mit ihrem Bass. Als Vorband von The Clash ging es auf die Überholspur. Ohne ein Album im Gepäck. Bevor es zu ersten Aufnahmen kam stieg Palmolive schon wieder aus. Unterhosen wechselt man ja täglich. Wer hat noch nicht, wer will noch mal?
Budgie, ein Liverpooler Musiker hielt die Stöcke im Studio. No Names werden mit frischen Vornamen ausgestattet. „Cut“ erhielt viel Aufmerksamkeit und „The Slits“ wurden schnell berühmt. Ein zweites Album folgte. Nun saß „The Pop Group“-Drummer Bruce Smith auf dem Höckerchen, doch auch er konnte den Lauf der Zeit nicht aufhalten. Der rotzige Sound war eher amtlichem gewichen und so ging der Zweitling „Return Of The Giant Slits“ unter. Nach nicht mal ganz fünf Jahren war Schluss. Die Punk-Reggae-Dub-Idee war am Ende.
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Nun 25 Jahre später versuchen es Ari Up und Tessa Pollitt noch einmal. Hollie Cook, Tochter des Sex Pistols-Drummer Paul Cook, ist nun mit an Bord und so, als wäre die Zeit stehen geblieben klingt „Trapped Animal“ auch. Reggae -Shout-Outs und Dub-Elemente kauen sich durch anstrengend angelegte Songs. Viele Soundspirenzchen lassen das Album sehr gewollt klingen. Klarere Songs wären wohl das bessere Mittel gewesen. So nervt “Trapped Animal“ auf Dauer. Manchmal blitzt eine gute Idee auf, doch Theatralik und Spleen machen auch diese wenigen guten Ansätze zu nichte.
Wer hat nach einem Comeback gerufen? Niemand und so bleibt diese Wiederbelebung eine gehirntote Hülle, die künstlich am Atmen gehalten wird. Nur „Ask Ma“, “Cry Baby”, und das an die Shaggs erinnernde „Trapped Animals“ können ein wenig gute Laune versprühen. Alle Hähne, die nach Punk geschrien haben, sind tot. Eine Neuauflage, die wohl nur Sammler und Phantasten interessiert. Das Dschungelcamp wird die letzte Lösung sein. Schade!
Erschienen bei Sweet Nothing

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